Pussycat

Botswana: 01.01. – 18.01.2012

Norden oder Süden, Süden oder Norden? Das war hier die Frage. Wir hatten uns sehr auf den nördlichen Teil Namibias gefreut. Wunderschöne unberührte Natur und endlose Weiten ohne Zäune, die die letzten Nomaden Namibias die Himbas ihr zu Hause nannten. Allerdings hatte uns der Regen im Etosha National Park bereits gezeigt, zu welchen Schlammschlachten er fähig ist. Was uns wiederrum gar nicht anlockte. Daher entschieden wir uns schweren Herzens für den Süden genauer gesagt den Kalagadi Transfrontier Park im Länderdreieck Namibia, Botswana und Südafrika, der für seine Katzen bekannt ist. Wir wurden nicht enttäuscht.

Da Anita und Roger auch gerade nichts Besseres vor hatten, schlossen sie sich uns kurzerhand an, was uns natürlich sehr freute, denn es versprach eine lustige Zeit zu werden. So nahmen wir nach zwei weiteren Tagen auf der roten Düne von Elke und Bernd sowie Nicole und Hagen Abschied und fuhren in Richtung Namibische Grenze.

Eine erste Pleite mussten wir jedoch am Eingangstor in Mata Mata einstecken. Der dortige Camping war bereits ausgebucht, man konnte uns lediglich einen Platz in dem 160 km weiter südlich gelegenen anbieten. Bevor wir für diese Nacht ganz leer ausgehen würden, schlugen wir zu und verbrachten den Rest des Tages damit auf der von Wellblech gespickten „Strasse“ unser Ziel vor dem Torschluss zu erreichen. Obwohl wir uns schon ein Bisschen darüber wunderten, dass wir nur sehr wenige Tiere zu Gesicht bekamen, abgesehen von ein zwei Springböcken sowie Gnus, ok und dem Löwenmännchen, welches wie tot im Schatten lag, waren wir froh, denn sonst hätten wir es definitiv nicht rechtzeitig geschafft.

Die nächsten drei Nächte verbrachten wir auf den Südafrikanischen Campingplätzen. Einen Einreisestempel brauchten wir dafür nicht, denn wir würden später nach Botswana ausreisen. So bewegten wir uns in dieser Zeit im Niemandsland, denn in Botswana war gerade ein Feiertag. Uns und die Tiere störte das herzlich wenig, denn auch ohne Stempel lässt es sich prima Pirschfahrten machen. Vielleicht lag es auch gerade daran, dass wir so grossen Erfolg hatten. So kreuzte sich unser Weg zweimal mit einem 7-köpfigen Löwenrudel, welches von einem ausserordentlich schönen Männchen angeführt wurde,  sowie, dank eines Tipps, mit einer Geparden-Familie. Falls mal keine grösseren „Katzenherden“ im Angebot waren, tauchten sie einzeln im Gebüsch oder am Strassenrand auf. Auch verpassten wir nur knapp einen Riss. Leider fand das Fressgelage der Geparde im Gebüsch statt, so dass wir es kaum beobachten konnten. Und wem das noch nicht genug war, sprossen auf einmal Erdmännchen aus der Erde. Wir kamen mal wieder aus dem Staunen nicht heraus.

Nach diesen Tagen freuten wir uns nun auf den Botswana Teil, genauer gesagt auf die Mabuasehube Section des Parks. Uns war zu Ohren gekommen, dass man sich dort die Unterstände der Campingplätze hier und da sogar mit Löwen teilen musste. Denn in Botswana gibt’s, wenn überhaupt, nur einen Zaun, der die Parkgrenze markiert. Genau das richtige für unser Abenteuerherz. Schnell holten wir uns den Einreisestempel. Auf unsere Frage, wo wir denn die Strassengebühren bezahlen und die Kfz-Versicherung abschliessen können, meinte der Zöllner lediglich: „Im Park nicht und ausserhalb kümmert Euch erst darum, wenn ein Uniformierter danach fragt!“ Das hörten wir gern.

Voller Erwartungen steuerten wir in den östlichen Teil, bekamen jedoch in den nächsten drei Tagen nicht eine Katze zu Gesicht, geschweige denn zu hören. Die Enttäuschung war gross und so kam uns immer öfter Rogers Zitat über die Lippen: „Full off nothing.“ Gegenüber den Springbock- und Gnuherde, sowie den Oryx-Antilopen nicht ganz fair. Bei einem unserer in der Zwischenzeit bereits vor dem Sonnenaufgang startenden Pirschfahrten, scheuchten wir zwar eine der seltenen braunen Hyänen auf, unser Durst nach Katzen blieb in dieser Zeit jedoch ungestillt.

In Gaborone, der Hauptstadt von Botswana, luden wir zwei Tage unsere Batterien wieder auf, denn noch war nicht Schluss mit Pirschfahrten. Bisher hatten wir noch keinen der legendären Kalaharilöwen, welche berühmt sind für ihre prächtige dunkle Mähne, gesehen. Daran wollten wir in der nächsten Woche in der Central Kalahari arbeiten.

Dafür musste natürlich auch der Kühlschrank gefüllt werden. Während wir mit der Einkaufsliste gemütlich zwischen den Regalen des Pick’n’Pay herum streunerten, wurde es auf einmal dunkel. Stromausfall. Und nü?! Während wir uns etwas verdutzt anschauten, schien es für die Botswana nichts Aussergewöhnliches zu sein. Zum Glück war neben dem Kühlregal auch die Kasse an den Notstrom angeschlossen, so dass wir unsere Errungenschaften bezahlen konnten. Der Rest des Einkaufszentrums blieb jedoch für die nächsten Stunden dunkel, so dass die Läden zu 99% schlossen. Man stelle sich das in Europa vor: „Sorry, it’s broken – Entschuldigung, es ist kaputt!“

Als nächstes stand die Bezahlung des Parkeintritts sowie die Campingplätze an, womit wir den Rest des Tages beschäftig waren. Man schickte uns von Pontius zu Pilatus, da das Büro Ende des letzten Jahres umgezogen war. Aber kurz vor Feierabend hatten wir alle Papiere zusammen. Jetzt stand der Fahrt durch die Kalahari nichts mehr im Wege. Jedoch galt auch für die nächsten Tage das Motto „Full off nothing“. Die gross im Reisführer angekündigten Löwenrudel blieben aus, dafür versammelten sich grosse Giraffenherden, welche angeblich absolut unüblich seien, um „unser“ Wasserloch. Dann nehmen wir halt die. Ausserdem hatte in der Zwischenzeit die Regenzeit auch diesen Teil der Erde erreicht. Kurz vor Sonnenuntergang zog nun jeden Abend ein heftiges Gewitter über uns hinweg.

Nach zwei Tagen machten wir uns auf den Weg in den nördlichen Teil des Game Reserves. Ein Bisschen erinnerte uns diese Strecke an den Anne Badeall Highway in Australien. Allerdings war er noch einen Tacken stärker zugewachsen und die Büsche hatten deutlich grössere Dornen, die immer neue Striemen an unserem Nisto hinterliessen. Zum Glück war er nichts so lang. Als wir endlich lichteres Gebiet erreichten, hiess es wieder: Augen auf! Und wir wurden tatsächlich für unsere lange Durststrecke belohnt.

Unser Tag startete ein weiteres Mal mit riesigen Gnu- und Springbockerden sowie zwei  putzigen Löffelhundfamilien. Wir wollten die Suche schon abbrechen und zum gemütlichen Teil, dem Frühstück, übergehen, als Sonja in der Ferne eine verdächtig nach liegendem Löwen aussehende Silhouette erkannte. Langsam pirschten wir uns heran und tatsächlich. Vor uns lag ein wunderschöner Kalahari-Löwe. Leider war er von uns weniger begeistert und trottete bereits nach den ersten Schnappschüssen davon. Trotzdem war die Stimmung danach bei allen deutlich in die Höhe geschnellt. Die Hoffnung sowie der Anspruch stiegen wieder an und wurden sogar am gleichen Tag erneut gestillt.

Während unserer abendlichen Pirschfahrt vernahm Anita ein lautes Grunzen, ein Löwe? Aber sie konnte partout nichts entdecken. Also fuhren wir weiter. Als wir bereits den Rückweg zum Camping ansteuerten, kamen wir an der Deception Pan vorbei und entdeckten sie. Drei Geparden lagen 500 m von uns entfernt auf der Pan. Jetzt wussten wir auch, woher das Grunzen kam. Es war der Warnruf der Springböcke, denn diese hatten ihren Feind schon längst gesichtet. Alle Augenpaar, ob Zwei- oder Vierbeinig, waren nun auf diese Gruppe gerichtet. Was würde passieren? Würden wir Zeugen eines Risses? Langsam setzten sich die Geparden in Bewegung. Wir folgten ihnen und kamen so 10 m an sie heran. Aber die grosse Action blieb aus. Für uns wurde es langsam zu dunkel und die Geparden schienen nichts Saftiges gefunden zu haben.

Leider blieb unsere Suche nach den dreien am nächsten Morgen erfolglos, dafür wurden wir am Mittag, wo man am wenigsten mit Tieren rechnet, mit einem Löwenmännchen, der es sich direkt neben der Strasse im Schatten gemütlich gemacht hatte und einem wunderschönen Weibchen entschädigt.

Unseren letzten gemeinsamen Abend verbrachten wir ausnahmsweise nicht auf der Pirschfahrt sondern auf dem Camping, denn am nächsten Tag würden sich unsere Wege definitiv trennen. Für Anita und Roger hiess es zurück nach Windhoek. Uns rief Maun. Aber ein Widersehen wird’s geben, diesmal vermutlich in der Schweiz.

Ob sich unser Abstecher nach Maun gelohnt hat? Wir werden berichten.

Bis bald und hebet Sorg.

Markus und Sonja

 

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