Dort wo alles begann

Ägypten: 03. – 21.05.2012

„Overlander, Overlander, we arrived in Assuan. In 30 minutes we will start unloading”. So wurden wir in Ägypten begrüsst. Aus der halben Stunde wurden dann zwei Stunden, bevor wir uns endlich mit all den Sudanesen und Ägyptern von der Fähre quetschen konnten. Dort wartete schon Kamal, unser Agent auf dieser Seite des Sees, allerdings mit einer schlechten Nachricht: Heute würden wir die Autos nicht mehr aus dem Hafen bekommen, wir seien zu spät, und morgen, Freitag, ist bekanntlich der islamische Sonntag. Also richteten wir uns für die nächsten beiden Tage in einem Hotelzimmer ein. Hier und da muss man sich einfach ein Bisschen Luxus gönnen.

Während wir so durch die Strassen Assuans schlenderten und auch einmal in einer Feluke über den Nil schipperten, kam bei uns schnell die Frage auf: Wo sind denn bitte schön die ganzen Urlauber. Viele grosse Kreuzfahrtschiffe lagen vor Anker am Flussufer und auch laufender Weise, war es eher eine Rarität, jemanden dieser Spezies anzutreffen. Grundsätzlich hatten wir da absolut nichts dagegen, aber die Ägypter nagen sehr am Ausbleiben der Touristen. Auf Grund der Revolution im letzten Jahr brach ihre grösste Einnahmequelle zusammen. Wie es mit diesem Land weitergeht? Wir werden sehen. Am Samstag konnten wir dann die grosse Wiedervereinigung des N-Teams feiern und nach einer weiteren Nacht in Assuan, diesmal jedoch standesgemäss auf einem Campingplatz, den Weg gen Norden antreten.

Auf den Tag genau vor acht Jahren waren wir schon einmal in Ägypten. Allerdings getrennt. In Hurghada kreuzten sich unsere Weg unter Wasser. Hätte uns damals einer gesagt, dass wir einmal im Auto zurückkehren werden, wir hätten wahrscheinlich nur ungläubig den Kopf geschüttelt. Aber hier begann nicht nur unsere gemeinsame Geschichte. Auch die Zivilisation hat am Nil ihren Ursprung. Die alten Ägypter haben einige Steinhaufen geschaffen, die wir uns natürlich nicht entgehen lassen wollten. So führte unser Weg mit einem Abstecher zum Horus-Tempel, der am besten erhaltene Tempel in Ägypten, nach Luxor, wo wir uns für die nächsten drei Tage niederliessen, um in die uralte Geschichte einzutauchen. Wir waren überwältigt über die imposanten Tempel sowie die präzisen und detaillierten Reliefs und Hieroglyphen. Nicht selten standen wir mit offenen Mündern vor Wänden, die ganze Geschichten erzählten oder verrenkten uns die Hälse nach den Kolossalstatuen.

Nun zog es uns aber wieder in die Natur hinaus. Unser Plan war es auf der Strasse westlich von Luxor direkt in die Wüste zu stechen. So hätten wir einige Kilometer gespart, denn in Ägypten herrscht schon seit einigen Monaten Treibstoffknappheit. Die Polizei hielt von dieser Idee jedoch äusserst wenig. Nachdem wir den ersten Check Point noch davon überzeugen konnten uns durchzulassen. War am nächsten nichts mehr zu machen. „No Tourists, Mafia, tstststststs“. Dabei sollte letzteres, Schüsse von Maschinengewehren imitieren. Natürlich versuchten wir mit Engelszungen auf sie einzureden und schlugen eine Konvoifahrt mit einem Ägyptischen Auto vor, aber sie blieben hart. Nach einem Tee mussten wir umdrehen. Natürlich konnten wir verstehen, dass sie um ihre letzten Touristen bangten, aber hätten sie diese Sperre nicht 35 km vorher an der Kreuzung einrichten können. So verfuhren wir unnötig Sprit, der uns nun im Tank fehlte. Aber dank Schwarzmarkt, der mit CHF 0.40 immer noch der Günstigste auf unserer gesamten Reise war, konnten wir unseren Nisto wieder füllen.

Die nächsten 5 Tage verbrachten wir in einer atemberaubenden Natur. Wunderschöne Wüstenlandschaften wechselten sich ab. Zunächst führte unser Weg in eine Gegend, die vor rd. 1 Mio. Jahren von einem See bedeckt war. Als dieser austrocknete, blieben Kalksedimente tierischer Herkunft zurück, die von Wind und Wetter zu fantastischen Kunstwerken geformt wurden. Wir fuhren kreuz und quer an Pilzen, Kamelen und sonstigen Kalkblumen vorbei und staunten nicht schlecht über den Künstler „Natur“. Einige Kilometer später wurde die Weisse von der Schwarzen Wüste abgelöst. Nun säumten 100 m hohe Sandhaufen, welche mit, von der Erosion zerkleinerten Vulkansteinen bedeckt sind, die Strasse. Es war mal wieder eine Gegend ganz nach unserem Geschmack mit herrlichen wilden Campingplätzen.

Zurück in der Zivilisation, genauer gesagt in Kairo, trafen wir mal wieder auf Gleichgesinnte. Laura und Ian, ein englisches Pärchen, welches wir bereits in Äthiopien an der Grenze getroffen hatten, sowie Merel und Joris, die vor einigen Wochen ihre 4-monatige Hochzeitsreise, starteten. Natürlich gab es viel zu erzählen und lachen, daher wurden die Abende lang. Die Tage füllte mal wieder das Kulturprogramm, denn selbstverständlich wollten wir Ägypten nicht verlassen, ohne die Pyramiden von Giseh sowie die Sphinx und das berühmte ägyptische Museum unter die Lupe genommen zu haben. Nach drei Tagen zog es uns jedoch weiter auf die Sinai-Halbinsel, wir wollten endlich mal wieder ein Bisschen Pressluft atmen.

Bevor es dazu kam, mussten wir jedoch auf unsere alten Tage noch einmal eingequetscht im Nisto schlafen. Auf dem Weg nach Sharm ganz im Süden der Halbinsel, liessen wir uns für die Nacht in der Wüste in einer kleinen Schlucht nieder. Wir hatten gerade gegessen als eine grosse Staubwolke über den Bergen auftauchte. Nanu, watten, datten? Ein Sandsturm? Kaum hatten wir diesen Gedankengang zu Ende gedacht. Rüttelte der Wind schon wie ein Verrückter an unserem Zelt, und wir waren von Staub umgeben. Um nicht ganz paniert zu werden, blieb uns nichts anderes übrig, als ins Auto zu verschwinden und das Dach zu schliessen. Die Hälfte der Nacht wurde der Nisto durchgeschüttelt. Aber auch das hatte ein Ende und so tuckerten wir am nächsten Morgen bei Sonnenschein und blauen Himmel weiter und fanden ein herrliches Plätzchen im Nationalpark Ras Muhammed direkt am Meer, wo wir unsere Tauchausrüstung hervorkramten. Wir genossen es sehr zwischen all den kleinen und grossen Fischen umher zu schwimmen, auch wenn wir dabei etwas wehmütig an unsere Unterwasserkamera dachten, die immer noch einsam und nutzlos an der Äthiopischen Grenze liegt.

Nun wollten wir dem Katharinenkloster einen Besuch abstatten, jedoch nur um festzustellen, dass es für den heutigen Tag geschlossen hatte und auch am nächsten Tag, da es ein Sonntag war, nicht aufmachen würde. Naja, dann wird der Altar, der auf den Wurzeln des Brennenden Dornenbusches steht, wo Moses seinerzeit die zehn Gebote empfangen haben soll, wohl ohne unseren Besuch auskommen müssen. Daher entschieden wir uns für die Besteigung des Mosesberges, was wiederum nur in Begleitung eines Guides erfolgen darf. Also trotteten wir um 2 Uhr morgens, irgendjemand hat nämlich behauptet, dass der Sonnenaufgang ein unvergessliches Erlebnis sei, einem Jungen hinterher, der uns die 750 Höhenmeter auf den Gipfel führte. Wir kamen uns ein Bisschen fehl am Platz vor, denn in allen Ecken wurde gebetet. Mal leise für sich. Mal lautstark, dass man es wahrscheinlich auch im Tal hätte hören können. Trotzdem fanden wir ein kleines gemütliches Plätzchen, um den Sonnenaufgang zu bestaunen.

Nachdem wir den Abstieg zügig gemeistert hatten, brachen wir in Richtung unseres letzten Zieles in Ägypten, dem Coloured Canyon, auf, kamen allerdings nicht weit. Die Polizei stoppte uns an einem der regelmässigen Check Points. Wieder das alte Spiel zu gefährlich Mafia und und und. Angeblich soll gestern auf einem kurzen Abschnitt der Strecke zum Meer geschossen worden sein. Moment mal, wir sind aber genau in der Zeit hier lang gefahren. Egal, wir müssten warten und im Polizeikonvoi fahren. Nach einer knappen Stunde waren noch neun riesige Touristenbusse eingetroffen und die Fahrt konnte losgehen. Natürlich sahen wir nicht eine Menschenseele, aber sicher ist sicher. Am Canyon angekommen staunten wir nicht schlecht über seine Felswände, die in allen möglichen Rot- und Gelbtönen leuchteten, und sich hier und da bis auf einen Meter verengen. Auch waren wir beeindruckt von den „Gemälden“, die die Natur am Stein hinterlassen hat.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in Richtung Grenze. Nach knapp drei Wochen Ägypten standen wir um 12 Uhr in einer Schleuse kurz vor Israel. Viel hatten wir von dieser Grenze gehört. Wir waren auf alles gefasst. Was genau abgegangen ist, dann im nächsten Bericht.

Liebe Grüsse aus Ashdod.

Markus und Sonja

 

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