Visarun

Kenia: 28.03. – 05.04.2012

Wie in einer Langlaufspur ging es in Richtung Nairobi. Die Spurrillen waren so tief, da hätte man verstecken drin spielen können. Beim Überholen musste Nisto kräftig skaten, um überhaupt den seitlichen Hügel zu erklimmen. Aber auch diese Strecke meisterten wir und erreichten die Hauptstadt Kenias nach zwei Tage am frühen Nachmittag.

Für die nächsten Tage richteten wir uns in der Jungle Junction, der Overlander-Treff in Nairobi, ein. Unsere erste Anlaufstelle war die Schweizer Botschaft, denn in der Zwischenzeit sollte Markus neuer Reisepass angekommen sein. Wir hatten Glück, dass noch jemand anwesend war, denn normalerweise sind die Botschaften nur vormittags geöffnet. Und wo wir schon mal hier sind, können wir doch auch gleich das Empfehlungsschreiben für das Sudanesische Visum mitnehmen. Ja, klar. Prima, das läuft ja wie am Schnürchen.

Dann kam der Tag an dem unser Standesamtoutfit doch noch einmal zum Einsatz kam. Geschniegelt und gebügelt klopften wir an der Tür der Äthiopischen Botschaft. Seit über einem Jahr ist dies wohl die grösste Hürde der Afrikareisenden. Zumindest der von Süden kommenden, denn es werden offiziell keine Visa mehr ausgestellt. Hunderte wurden in den vergangenen Monaten abgewiesen. Die Reisenden sind daher gezwungen, ihren Reisepass, inklusive Passfotos, Karte der bisherigen Reiseroute, Reiseplan durch Äthiopien, Hotelbuchung, Schreiben, warum man überhaupt dieses Land bereisen will, Kopie des Carnets sowie der Autoversicherung und einem Nachweis ausreichend finanzieller Mittel mit dem Antragsformular zur Botschaft im Heimatland zu senden. Das ganze hin und her kann schnell mal bis zu zwei Wochen dauern. Das wollten wir natürlich nicht, also redeten wir mit Engelszungen auf die Dame ein. Aber sie schaute sich noch nicht einmal unsere Unterlagen an, und ausser einem dreimaligen Nein, bekamen wir nichts zu hören.

Dann schien Markus jedoch den Joker zu ziehen: „Aber wir sind doch schon drei Jahre unterwegs, waren nie zu Hause, hatten nie eine Chance das Visum zu Hause zu beantragen…!“ Da wurde sie hellhörig und fing an in unseren Pässen zu blättern. Dreissig Minuten später liefen wir mit zwei Antragsformularen und einem breiten Grinsen im Gesicht aus dem Büro, ausserdem sollten wir noch einmal alles kopieren. Klar, machen wir doch gern, gar kein Problem. Nach einer Stunde kehrten wir zurück. Wieder schickte man uns weg, allerdings nur bis um drei Uhr, denn dann könnten wir unsere Pässe inklusive Visum für einen Monat wieder abholen.  Wir konnten unser Glück noch gar nicht richtig fassen und hatten unsere Zweifel. Aber tatsächlich waren wir am Abend stolze Besitzer eines Äthiopischen Visums und stiessen mit einem kalten Bier auf unseren Erfolg an. Eine der drei Hürden gen Norden war gemeistert.

Am Wochenende drehte sich alles um Nisto. Zwei neue Reifen mussten her und das Aufschunkeln musste beseitigt werden. Dank der super ausgerüsteten Werkstatt von Chris, dem Betreiber des Campingplatzes, konnten wir nach Beschaffung der neuen Teile, letzteres ohne Schwierigkeiten sogar selbst beheben. Abends sassen wir mit anderen Reisenden zusammen und tauschten Geschichten aus. Wir waren eine buntgemischte Truppe.  Motorrad-, Auto-, und auch Fahrradfahrer, in Nairobi trifft man jede Spezies.

Am Montagmorgen stand dann mal wieder Bürokram auf dem Plan. Es hiess, das Sudan Visum zu ergattern. Hierfür fehlte uns allerdings noch das Empfehlungsschreiben der Deutschen Botschaft für Sonja. Doch diesmal mussten wir einen Rückschlag einstecken. Trotz Sonjas Hartnäckigkeit war auch der Assistent des Botschafters nicht zu erweichen. Sie würden solche Schreiben grundsätzlich nicht ausstellen. Dies gilt auch für ein Schreiben, indem sie jemanden nicht empfehlen könnten. Lt. Informationen von anderen Reisenden ist es den Sudanesen egal, was in dem Schreiben steht, Hauptsache es ist ein Stempel der Botschaft auf dem Papier. Trotzdem versuchten wir unser Glück, denn schliesslich sind wir verheiratet und die Wichtigkeit der Frau im Islam kennt ja jeder. Und da war sie wieder unsere Glückssträhne. Es wurde zwar noch kurz nachgeharkt, ob wir beide wirklich verheiratet sind, aber bereits am Nachmittag konnten wir auch diese Aufgabe von unserer To-Do-Liste streichen. Das war unser  Zeichen: Gehen sie nicht noch in die Massai Mara, machen sie nicht noch einen Abstecher an die Küste, gehen sie direkt nach Äthiopien.

So machten wir uns gleich am nächsten Tag auf den Weg in Richtung berühmt berüchtigter Moyale-Road. In der Zwischenzeit ist es fast möglich auf Asphalt einmal rund um Afrika zu fahren. Aber eben nur fast. Rd. 368 km im Norden Kenias bis zur Äthiopischen Grenze fehlen noch. Dieses Stück hat es jedoch in sich. Lavasteine zerfressen die Reifen, teilweise ist lediglich ein Tempo von 20 km/h möglich. Hinzu kommen Einheimische, die sich gegenseitig die Rinder klauen und sich dann in den Haaren liegen. Eigentlich hatten wir gehofft, auf dem Campingplatz noch andere Gleichgesinnte zu treffen. Allerdings waren wir für die einen zu langsam bzw. für die anderen zu schnell. So nahmen wir die Strecke alleine unter die Reifen. Wie es der Zufall jedoch so wollte, und wir das Glück ja anscheinend in Kenia mit Löffeln gefressen hatten, trafen wir unterwegs ein Schweizer und ein Deutsches Pärchen, in zwei Land Cruisern, welche auf dem Weg von Kapstadt nach Kairo waren. Kurzer Hand schlossen wir uns diesem Konvoi an und meisterten die Strecke ohne Zwischenfälle, und wie wir uns später sagen liessen in Rekordzeit. Anscheinend hatte man extra für uns vorher noch einen Grader über die Schotterstrasse fahren lassen.

Ob unsere Glücksträhne auch in Äthiopien angehalten hat, dann im nächsten Bericht.

Winke, winke und bis bald.

Markus und Sonja

 

Hier geht’s zu den Fotos...

Copyright © 2017 Auf zum Horizont. Alle Rechte vorbehalten.
Joomla! ist freie, unter der GNU/GPL-Lizenz veröffentlichte Software.
 

Sponsoren Links:

Befreundete Seiten:

Google Anzeigen: