Die Big 5 sind komplett

Krüger National Park: 01. – 14.02.2012

Jeder Reisende kommt mit einem grossen Wunsch nach Afrika: Einmal Auge in Auge mit den Big Five, zu denen Elefant, Löwe, Nashorn, Leopard und Büffel gehören. So auch wir. Eigentlich hatten wir bis auf den letztgenannten bereits alle gesehen. Aber auch ein Leopard in der freien Wildnis fehlte uns noch. Der Krüger ist dafür bekannt, dass die Chancen dahingehend gar nicht so schlecht stehen. Also hinein, und so schnell kamen wir auch nicht mehr hinaus, denn man muss sich diese Begegnungen erst verdienen.

Bereits kurz nach dem Eingangstor stiessen wir auf unsere ersten Büffel und auch am Abend wollten diese Tiere keine Ruhe geben. Sie schienen direkt neben uns hinter dem Zaun ihr Nachtlager aufgeschlagen zu haben. Hinzukam eine rd. 30-köpfige Elefanten-Herde, die am nahen Wasserloch einen Absacker tranken. Wir lauschten noch ein Bisschen dem Treiben, bis sich auch die Vierbeiner aufs Ohr zu legen schienen.

Unser Gamedrive am nächsten Morgen war eher ernüchternd. Wir mussten mal wieder feststellen, dass man einfach nicht die Uhr nach den Tieren stellen kann. Dafür machten wir auf dem Campingplatz neue Bekanntschaften. In der Zwischenzeit sollten wir eigentlich gelernt haben, dass Türen und Fenster des Autos geschlossen zu halten sind. Aber passiert eine längere Zeit nichts mehr, dann wird man nachlässig. Diesmal war es jedoch kein Toko, sondern eine Kategorie grösser. Während Sonja im Schatten eines Baumes in ihrem Buch lass, hörte sie auf einmal Markus lauthals mit jemanden schimpfen. Zwei Sekunden später sah sie denjenigen, dem die bösen Wörter gehörten, aus dem Beifahrerfenster springen: Eine Meerkatze, und in der Hand zwei unserer feinen Bananen. Wütende schmiss Markus dem Affen Steine hinterher. Nun musste auch Sonja in Deckung gehen, denn der Affe hatte sich auf den Baum unter dem sie sass zurückgezogen und biss genüsslich in unsere Banane. Wieso hatten wir das Gefühl, dass er ein Grinsen im Gesicht hatte, als wir nun so zu ihm hoch schauten.

Als wir von unserer abendlichen Pirschfahrt zurückkamen, war noch nichts los am Wasserloch. Aber kaum war das Essen fertig, hörte Sonja Markus von draussen rufen: „Du, Sonja, reicht das Essen auch noch für ein paar mehr?“ Da war sie wieder, die Elefanten-Herde und soff gierig aus dem Wasserloch. Im Schein unserer kleinen Lampe genossen wir das Abendbrot während unseres ganz persönlichen Kinoprogramms. Auch für ein Bisschen Aktion wurde gesorgt, als sich zweimal ein Elefant aus der Gruppe löste und direkt auf uns zu trottete. Der Lichtkegel schien ihn neugierig gemacht zu haben. Trotz des 1,5 m hohen Elektrozauns, der dem Dickhäuter gerade mal bis zum Bauch gehen würde, fühlte sich der weibliche Part des N-Teams nicht mehr ganz so wohl und löschte, trotz Markus Protesten, das Licht. „Ich brauche keinen Rüssel in meinem Risotto!“ flüsterte sie. Das Spektakel dauerte nicht lange, und als wir unseren letzten Bissen verschlungen hatten, zogen die Elefanten wieder davon. Dafür rannte plötzlich, wie von der Tarantel gestochen, eine Ginsterkatze an uns vorbei. So schnell wie sie jedoch gekommen war, so schnell war sie wieder verschwunden.

Auch in den nächsten Tagen blieb unsere Suche nach den Löwen und Leoparden erfolglos. Während die anderen begeistert von ihren Begegnungen auf dem Asphalt berichteten, hatte der Krüger auf den Schotterpisten für uns „nur“ trötende Elefanten im Angebot. Irgendetwas schienen die Dickhäuter gegen uns zu haben. So musste unser Nisto hier und da immer mal wieder die Reifen unter die Arme nehmen. Einmal wären wir dadurch fast in eine Elefantenherde gerasst, aber auch diesmal ging alles glimpflich aus.

Auf einem Campingplatz weiter südlich, trafen wir mal wieder auf Gleichgesinnte. Lilli und Steffen hatten sich vor rd. 1 ½ Jahren in ihrem Land Cruiser auf den Weg, die Westküste entlang, nach Kapstadt gemacht. Nun waren sie wie wir auf dem Nach-Hause-Weg. Viel gab es zu erzählen, auszutauschen und lachen, so dass wir auch die nächsten Abende gemeinsam verbrachten.

Am späten Nachmittag des fünften Tages im Krüger war es dann soweit. Unser Katzenglück schien zu uns zurückgekehrt zu sein. Eigentlich hatten wir bereits den Rückweg zum Campingplatz in Angriff genommen, den wir auch so schon nur noch knapp bei der vorgeschriebenen Maximalgeschwindigkeit vor Toresschluss erreicht hätten, als vor uns eine Autokolone auftauchte. Dazwischen lagen oder liefen vier Löwenmännchen. Zum ersten Mal wurde uns wirklich bewusst, wie gross der König der Tiere ist. In ein normales Strassenauto kann er spielend durchs Fenster schauen. Gerne wären wir noch länger geblieben und hätten die Begegnung in vollen Zügen ausgekostet, aber die Zeit war gegen uns. So düsten wir nun statt mit 50 km/h  mit 70 km/h durch den Park und rasten prompt in eine Geschwindigkeitskontrolle. Na toll. Wir waren zwar nicht die einzigen, die mit diesem Tempo unterwegs waren, aber die einzigen mit einem europäischen Kennzeichen. Wir wurden angehalten. Das würde teuer werden, denn in Afrika ist das Bestechen der Polizisten strafbar. Daher staunten wir nicht schlecht, als er uns dahingehend ein eindeutiges Angebot unterbreitete. Mit 100 Rand (rd. 12 CHF) hatten wir uns ausgelöst und rasten im letzten Moment durch das Tor auf den Camping. Glück gehabt.

Auch an unserem dritten Hochzeitstag schellte der Wecker noch bevor die Sonne aufgegangen war. Schliesslich hatten wir uns in diesem Jahr einen Leoparden gewünscht, und für die muss man definitiv früh raus. Mutterseelenallein tuckerten wir in der Gegend umher. Wo waren die ganzen Touristen? Hatten wir uns mal wieder für die falsche Richtung entschieden? Wir schauten in Büsche und auf Bäume. Warteten bei Impala-Herden, die Leibspeise dieser Spezies. Nichts! Aber plötzlich, wie aus dem Nichts, stand er auf einmal neben uns. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Wir waren einem richtig grossen Burschen auf die Schliche gekommen. Ein Bisschen Hektik kam im Nisto auf, denn Leoparden sind äusserst scheu. Hat man sie entdeckt, sind sie auch schon wieder verschwunden. Aber nicht dieser. Er liess sich nicht von uns beirren und schien auf der Jagd. Eine ganze halbe Stunde waren wir mit ihm allein, abgesehen von der Gnu- bzw. Impalaherde, auf die er es anscheinend abgesehen hatte, und konnten ihn in Ruhe beobachten, wie er seine Krallen an einem Baum wetzte oder sich hinter einem Busch auf die Lauer legte. Diese Minuten werden wir so schnell bestimmt nicht mehr vergessen. Aus seinem geplanten Frühstück wurde allerdings nichts mehr, die Tiere hatten ihn bereits gewittert und schlugen Alarm. Nachdem er im Dickicht verschwunden war, setzten auch wir unsere Fahrt weiter. Die Stimmung im Nisto war ausgelassen, so dass wir fast unseren zweiten Leoparden verpasst hätten. Ein Weibchen schlich direkt vor uns über den Weg und verschanzte sich im Gebüsch keine drei Meter von uns entfernt. Das war mehr als wir uns gewünscht hatten. Am Abend stiessen wir daher nicht nur auf unseren Hochzeitstag sonder auch auf diese seltene Tierbegegnung an. Natürlich bei einem feinen italienischen Essen: Pizza, das einzige was wir uns in unserem Nisto nicht zubereiten können und schon ein Bisschen vermissen.

Auf unserem weiteren Weg gen Süden trafen wir auf diverse Elefanten, wovon uns der eine oder andere dazu zwang, einige hundert Meter rückwärts zu fahren, weil ihm die Strasse einfach besser zum Laufen gefiel, und riesige Herden von Büffeln. Aber auch Löwen schauten immer mal wieder nach unserem Befinden. Mal alleine, mal in einem Rudel oder als Junggesellenparty. Sogar Nashörner liessen sich blicken. Die Frage ist nur, wie lange noch. Seit Dezember sollen bereits rd. 200 Tiere von Wilderern auf Grund ihres Hornes getötet worden sein. Sogar Ranger haben ihre Hände mit im Spiel. Die drohende Gefängnisstrafe von 25 Jahren, ist immer noch nicht abschreckend genug. Die Gier nach Geld ist weiterhin stärker (Für 400g erhält man aktuell $600 auf dem Schwarzmarkt). Aber diesen Begegnungen noch nicht genug. Ein zweites Mal wurden uns Leoparden, diesmal  auf dem Servierteller präsentiert.

Wir waren mal wieder in aller Herrgottsfrühe auf die Pirsch gegangen, als vor uns  mehrere Safariautos sowie ein zwei Privatwagen den gerade mal drei Meter breiten Weg blockierten. Ui, ui, ui, das versprach etwas Besonderes zu sein. Im Schritttempo näherten wir uns dem Tumult. Natürlich sahen wir nichts. Also versuchten wir mit der einen Hälfte des linken Reifens noch knapp auf dem Weg und Nistos-Rest schon im Gebüsch an den parkenden Wagen vorbei zu kommen. Natürlich schrie man uns an, dass wir gefälligst hinten warten sollen, wir seien noch nicht an der Reihe. Mmmh, aber vorbei fahren, dass dürfen wir schon noch oder? Können schliesslich nichts dafür, dass Du das mit Deinem kleinen Strassenbus nicht kannst. Irgendwann erbarmte sich dann jemand auch uns mitzuteilen, was denn da im Gebüsch lauerte: Ein Leopardenpärchen. Unsere Augen begannen an zu glänzen. Wir reckten unsere Hälse und konnten tatsächlich einen Blick auf die beiden erhaschen. Die bereits bekannte Hektik brach im Nisto aus. Hinzu kam der Wunsch, alle Autos beiseite zu schieben. Aber schnell wurde klar, daraus wird nichts. Keiner würde so einfach seinen Platz in der ersten Reihe frei geben. Nachdem wir mit dem allgemeinen Fluss der Autos mal vorwärts- dann wieder rückwärtsfuhren, die Leoparden schienen auf die andere Seite zu wollen und auf der Suche nach einer Lücke zu sein, hatten wir es immer noch nicht näher ran geschafft. Es half alles nichts, das Drängelgen ist bei Sonja einfach besser ausgeprägt als bei Markus. Also erfolgte ein fliegender Fahrerwechsel. Während Markus nun aus dem Fenster hing und ein Foto nach dem anderen auf die Speicherkarte brachte, versuchte Sonja jede Lücke, die sich ergab, auszunutzen. Allerdings wurde es immer enger, natürlich hatte sich dieses Spektakel in der Zwischenzeit herumgesprochen. Es schien eher wie ein Wunder, dass niemand dem anderen in den Wagen fuhr. Ausserdem waren wir verwundert, dass die beiden Raubkatzen nicht schon längst das Weite gesucht hatten. Irgendwas liess sie an diesem Ort bleiben. Unser Glück, aber ein Bisschen taten uns die beiden auch leid. Kein einfaches Leben im Krüger National Park. Irgendwann setzte sich das Männchen in Richtung Fluss in Bewegung. Mit samt den Autos. Ja, ja, geht ihr nur, so konnten wir einige Momente mit dem Weibchen ganz alleine verbringen. Nachdem sie noch ein paar Minuten in ihrer Deckung verharrt hatte, überquerte sie vor uns die Strasse und verschwand erneut im Gestrüpp. Irgendwann kam auch der Herr Gemahl zurück und nun standen wir in der ersten Reihe. Noch einige 100 Fotos wanderten auf die Speicherkarte, bevor auch er sich in ein Gebüsch zurückgezogen hatte.

In der Zwischenzeit konnten wir uns schon gar nicht mehr retten vor den ganzen Raubkatzen-Begegnungen, daher musste nun eine Abwechslung her, die uns auch prompt am darauf folgenden Tag geliefert wurde. Wir waren einem Rudel Afrikanischer Wildhunde auf die Schliche gekommen, die auf der Suche nach einem Frühstückshappen zu sein schien. Mit ein paar anderen Autos begleiteten wir sie ein Stück, als wir eine Impala-Herde erreichten. Jetzt ging auf einmal alles ganz schnell. Für uns sah es völlig unorganisiert aus. Die Hunde verschwanden in allen möglichen Richtungen.  Wir wussten nicht genau, wo wir als erstes hinschauen sollten, wo würde es passieren? Ein Blick in den Rückspiegel liess Sonja aufschrecken, doch nicht etwa genau hinter uns? Eine Antilope wollte zwischen den Autos flüchten, rutschte aber auf dem Asphalt aus und kam ins Straucheln. Schon hatte sich einer der Hunde in ihren Po verbissen. Trotzdem konnte sie sich noch einmal aufrappeln, kam jedoch nur bis ins nächste Gebüsch, aus dem wir es quieken und knurren hörten. Wir waren mal wieder Zeugen eines Kills geworden. Auf einmal nahmen wir grosse Schatten über uns war. Nanu, wer kommt denn da noch? Aasgeier. Sie schienen aus dem Nichts aufgetaucht zu sein. Wir hatten vorher nicht einen von ihnen ausmachen können. Woher wussten sie, dass es hier etwas zu holen gab? Beeindruckend.

Nach knapp zwei Wochen, hiess es dann doch Abschied nehmen. Auf der einen Seite freuten wir uns mal wieder aufs Ausschlafen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, wir könnten etwas verpassen. Auf der anderen Seite würden wir die Tierwelt sicher vermissen. Aber wenn wir jetzt nicht gehen, gehen wir nie mehr. Als kleines Bonbon zum Schluss bekamen wir noch drei Geparden auf unserem Weg zum Ausgang geboten. Schöner hätte sich dieser Ort von uns nicht verabschieden können.

Noch am gleichen Tag überquerten wir die Grenze nach Mosambik, wo uns nun das echte Afrika erwartet.

Bis bald.

Markus und Sonja

 

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