Am Tiefpunkt unserer Reise angekommen

Israel: 21. – 29.05.2012

Da standen wir nun seit einer Stunde zwischen den Schranken auf der Grenze zu Israel. Aus der Ferne musterten uns die Sicherheitsbeamten, und wir musterten sie. Trotz der Sonnenbrillen war das grosse Fragezeichen in ihren Gesicherten deutlich zu erkennen: Was kommt denn da?

Nachdem man Nisto mit einem grossen Zahnarztspiegel von unten beschaut und uns zweimal befragt hatte, durften wir nach weiteren 15 Minuten die Schleuse zu dritt verlassen und unter einem Baum parken. Nun kam die Aufforderung alles, was nicht zum Wagen gehörte, auszuräumen. Da wir dank anderer Reisenden bereits vorgewarnt waren, machten wir uns zügig an die Arbeit. Die durchweg jungen und freundlichen Sicherheitsleute gingen uns hier und da zur Hand und zauberten einen Behälter nach dem anderen aus ihrem Lager. Teilweise schauten sie jedoch schon etwas ungläubig, als wir einfach nicht aufhörten Zeug aus dem Nisto zu tragen. Selbst wir fanden Sachen, von denen wir keine Ahnung mehr hatten, dass sie noch in unserem Besitz waren. Ausserdem stieg die Spannung, was sie denn wohl mit unseren Muscheln aus Australien und dem Oryx-Horn aus Namibia machen würden. Ein Bisschen Aufregung kam ins Spiel als Markus auf einmal mit einer Axt vor ihnen auftauchte. Schnell trat jeder ein Schritt zurück, und er bekam die Anweisung sie hinzulegen. Nachdem das Ausräumen beendet war, hiess es ab zum Durchleuchten, was auch für Nisto galt. Nach vier Stunden war die Arbeit der Sicherheitsleute beendet, und wir durften alles wieder einpacken. Als nächster Schritt stand die eigentliche Einreise auf dem Plan. Von den USA ist man ja schon einiges gewohnt, was die Fragen anbelangt, aber Israel toppte alles. Ein Bisschen verständlich ist es schon, wenn man bedenkt, dass islamische Länder auch heute noch Israel nicht als eigenständigen Staat anerkennen und mit Terroranschlägen drohen, und wir genau aus diesen Ländern kommen. So kam es, dass sie uns bzw. Markus einer genaueren Kontrolle unterzogen. Eine weitere Stunde verstrich bevor auch in seinem Pass der Israelische Stempel prangte. Nun galt es nur noch Nisto zu registrieren. Was reibungslos verlief.

Mit 8 Stunden und 51 Minuten war dies der längste Grenzübergang, zumindest aktive, wenn man von Äthiopien absieht, unserer bisherigen Reise. Bevor wir jedoch den heutigen Schlafplatz, nicht weit von der Grenze entfernt, direkt am Roten Meer, welchen uns die Zollbeamten empfohlen hatten, bezogen, machten wir uns auf die Suche nach etwas Essbaren in die Innenstadt von Eliat. Natürlich landeten wir in einer Mall bei McDonald. Wir hatten uns einen Platz direkt am Fenster ausgesucht und beobachteten die Israels. Plötzlich tauchte eine junge Frau in Freizeitkleidung an einem der Juwelierstände auf und begutachtet die Auslage. Grundsätzlich nichts ungewöhnliches, wenn man mal von der Kalaschnikow absieht, die sie locker über ihre Schulter geschwungen hatte. Für einen kurzen Moment schauten wir uns mit dem Hamburger im Mund an. Dann lief die Dame weiter ohne zugegriffen zu haben. That’s Israel.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zum Toten Meer, der mit -420 m tiefste Punkt der Welt. Auf Grund seines hohen Salzgehaltes wird man vom Wasser an der Oberfläche gehalten. Natürlich wollten wir dies ausprobieren und fanden einen perfekten Strandabschnitt für uns alleine. Und tatsächlich. Wir hatten förmlich das Gefühl, wie ein Korken an die Oberfläche gedrückt zu werden.

Nach diesem Experiment, wollten wir, wenn wir schon mal in Israel sind, natürlich auch der Heiligen Stadt Jerusalem einen Besuch abstatten. Wir hatten keine Ahnung, was uns erwartete und waren positiv überrascht als wir die Stadtgrenze erreichten. Hier trifft Antik auf Modern, Heilig auf Weltlich. Auch uns zog der Scharm dieses Ortes schnell in den Bann. Das Einzige, was uns missfiel: Wir mussten aus unserem Nisto ausziehen, um Jerusalem zu erkunden, denn es gab keine sinnvolle Möglichkeit zum Campieren.

Nachdem wir sowohl für uns als auch für unseren treuen Gefährten eine Bleibe gefunden hatten, mischten wir uns in das Menschengewirr. Wir trafen auf schwarzgekleidete Männer mit Schläfenlocken, die ihren normalen Alltag im gemischten Klang der Kirchenglocken und dem Ruf des Muezzins nachgingen, denn hier sind alle drei Religionen verflochten. Es sah so friedlich aus, wenn man von den Männern und Frauen der Israelischen Armee absieht, die mit ihren Maschinengewehren über der Schulter, an der einen oder anderen Ecke auftauchten, da es auch heute noch zu Unruhen kommt, weil sich die Oberhäupter der unterschiedlichen Glaubensrichtungen nicht einigen können. Wir liessen uns jedoch nicht von diesen Konflikten beeinflussen und genossen das buntgemischte Treiben sehr. Obwohl Stadtführungen ja eigentlich nicht so unser Ding sind, schlossen wir uns zweien an und bekamen so einen guten Einblick in diese einmalige Stadt.

Nach zwei Tagen zogen wir wieder in unseren Nisto und machten uns auf den Weg in Richtung Mittelmeer. Da unsere Suche nach einem schönen Plätzchen an der Küste erfolglos blieb, steuerten wir erneut ins Landesinnere. Wir wollten unser Glück am Sea of Galilee, dem grössten Süsswassersee Israels ebenso unter der Meeresoberfläche, versuchen. Da jedoch ein Feiertag für ein langes Wochenende sorgte, hatten die Einheimischen natürlich die gleiche Idee wie wir. Die Uferabschnitte waren vollgepackt mit Zelten und aus den Boxen dröhnte die Musik. Nichts für uns. So stachen wir auf einer Geländestrecke in einen Nationalpark und fanden ein paar Kilometer weiter einen herrlich einsamen Platz mit wunderschöner Aussicht. Hier verbrachten wir unsere letzten beiden Tage in Israel. Dachten wir. Denn als wir am Montagmorgen in Ashdod am Hafen zu der verabredeten Zeit eintrudelten, teilte man uns mit, dass die Abfahrt auf den nächsten Tag verschoben wurde. Wir nutzten die Zeit und das freie Internet in einem Einkaufszentrum und gingen seit über einem Jahr mal wieder ins Kino.

Dann war es aber soweit. Nachdem alle Papiere kontrolliert waren, wir Zweibeiner die erneute diesmal getrennte Befragung, bestanden hatten, liess man uns zu unserem Schiff. Bevor wir jedoch an Bord fahren durften, mussten noch einige Neuwagen ausgeladen werden. So flitzten immer wieder nagelneue Seats, VWs, Minis, hier und da auch mal ein LKW an uns vorbei. Ja, man begann uns langsam an den Luxus, der uns wieder in der Heimat empfangen würde, vorzubereiten.

Um kurz vor Mitternacht stachen wir in See. Wie uns unsere erste Kreuzfahrt auf einem Frachter gefallen hat, erfährst Du ein anderes Mal.

Winke, winke aus Italien

Markus und Sonja

 

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