Unser ganz besonderes Abenteuer

South Australia, Western Australia: 14. - 27.04.2011

Für uns hiess es nun „go west“. Zwei Möglichkeiten hatten wir bis zum 18.02. zur Auswahl, um von South nach Western Australia zu gelangen. Auf der Fähre nach Tasmanien brachte dann aber ein Australier eine dritte Variante auf den Tisch und entschied somit unser Schicksal. Für uns würde es auf einer staubigen Schotterpiste durchs tiefste Outback gehen.

Bevor wir jedoch zu diesem Abenteuer aufbrachen, machten wir uns noch einmal auf die Suche nach ein paar Tieren. Sonja hatte mal wieder in einem Heftchen, was sie sich in irgendeinem Visitor Center unter den Nagel gerissen hatte, einige Bilder erblickt. „Die will ich auch sehen!“, schallte es durch den Nisto. So sah man uns die nächsten Tage kreuz und quer durch die geschützten Gebiete streunern. Wir machten uns keine grossen Hoffnungen, denn hierbei handelte es sich teilweise um eher seltene Tiere, die in anderen Staaten bereits so gut wie ausgestorben sind. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und so war es dann auch, wenn auch nicht durchgehend. Allerdings mussten wir hier und da schon ein paar Tricks anwenden.

Im Telowie Gorge Conservation Park kamen wir drei Yellow footed Rock-Wallabys auf die Schliche. Diese als sehr scheu geltenden Tiere, schienen allerdings in unserem Fall die Neugier gepackt zu haben. Schliesslich kommen nicht jeden Tag zwei so hartnäckige Besucher vorbei. Während Markus seine ersten Kletterversuche an den Klippen startete, verschwanden sie immer wieder hinter den Steinen, nur um einige Sekunden später hinter einem anderen wieder aufzutauchen. Schnell war klar, so wird das nichts. Also versuchte Sonja auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht einen guten Aussichtspunkt zu ergattern, um Markus in die richtige Richtung zu lotsen. Manchmal konnte sie ein Lachen kaum verkneifen. Während sich Markus auf allen Vieren die Steine hinauf zog, sassen zwei auf einem Felsvorsprung keine 10 m von ihm entfernt und schauten auf ihn hinunter, nach dem Motto: Was macht der denn da? Es war eine ganz besondere Begegnung, die wir so schnell nicht vergessen werden. Allerdings gab es in diesen zwei Wochen auch Begegnungen, auf die wir gerne verzichtet hätten.

In der Zwischenzeit hatten wir die südlichen Ausläufer der Flinders Range erreicht und richteten uns auf einem Camping im Mount Remarkable National Park für die zwei nächsten Tage ein. Hier hatten wir eine Wanderung in die dramatischen Schluchten dieser Region geplant. Ausserdem wollte Sonja nun endlich mal unseren Blindenpassagier loswerden, denn wir schienen uns irgendwo mal wieder eine Maus eingefangen zu haben. Während wir im Schein der letzten Sonnenstrahlen unser Abendbrot genossen, hatten wir noch keine Ahnung, was uns in den folgenden Nächten erwarten würde.

Nachdem es draussen kühler wurde, der Abwasch erledigt und die „Mäusefalle“, unser faltbares Waschbecken mit ein Bisschen Brot drinnen und einem kleinen dünnen Brett, ebenso mit Brot bestückt darüber, im Eingang aufgestellt war, verzogen wir uns mit unseren Büchern ins Bett. Keine Stunde später hörten wir unsere Maus rascheln und keine fünf Minuten später stürzte Markus kopfüber aus dem Bett und presste das Waschbecken mit beiden Händen zu. Sie war uns in die Falle getappt. Hahaaaa. Schnell die Kamera geschnappt und mit unserem Fang nach draussen. Zu einem Foto kam es allerdings nicht mehr, denn kaum hatte Markus das Waschbecken geöffnet, sprang sie im hohen Bogen aus diesem, welches wir auf den Tisch gestellt hatten, und verschwand. Na hallo, in Australien scheinen selbst die kleinsten Tiere zu wissen, wie man hüpft.

Zufrieden verkrochen wir uns wieder ins Bett und löschten das Licht. Noch ein paar Minuten witzelten wir über unseren Erfolg, als wir ein erneutes Rascheln vernahmen. Na gut, dann haben wir halt noch eine zweite. Insgesamt trug Markus in dieser Nacht drei Mäuse nach draussen und eine entwischte ihm noch im Nisto. Erst im Morgengrauen kehrte langsam Ruhe ein. Nicht weil wir alle losgeworden waren, diese Mäuseart scheint tagsüber zu schlafen.

Mit dicken Augenringen stolperten wir keine 5 Stunden später 18 km durch den Park zu einer Schlucht, deren Wände auf rd. 2 m zusammenrückten. Es war eine wunderschöne Wanderung, auf der wir ganz alleine unterwegs waren. Aber im Hinterkopf blieb: Wir sind nicht alleine im Nisto. Auch die nächste Nacht gehörte der Mäusejagd. Diesmal gingen uns fünf in die Falle und so langsam fing der Kopf an zu rattern: Kann das sein, dass die wieder bei uns einsteigen? Und tatsächlich, an Hand eines Lochs im Ohr, erkannte Markus eine Maus wieder. Jetzt war auch für Markus die Zeit gekommen die Samthandschuhe auszuziehen, und so waren wir bereits am nächsten Tag Besitzer einer Mäusefalle. Siebenmal schnappte sie in den zwei folgenden Nächten zu, was uns irgendwie leid tat, denn sie waren schon knuffig. Aber wer auch den eindeutigsten Rausschmiss nicht versteht und sogar noch Freunde einlädt.

Nachdem wir auch den nördlichen Teil der Flinders Rang unter die Lupe genommen hatten, führte unser Weg zum, mit -12 m, tiefsten Punkt Australiens, dem Lake Eyre. Hierbei handelt es sich um ein Salzbecken, welches sich nur dreimal in den letzten 150 Jahren komplett mit Wasser gefüllt hatte. Durch die riesigen Wassermassen aus den überschwemmten Gebieten in Queensland, war es in diesem Jahr mal wieder soweit, denn der See fungiert als Abflussbecken. Der Anblick ist überwältigend. Verzweifelt versuchen die Augen den Horizont auszumachen, was auf Grund der Spiegelungen im Wasser kaum möglich ist. Wir genossen einen wunderschönen Tag am Ufer des Sees, welcher lediglich von aber Tausend Buschfliegen gestört wurde. Viel hatten wir über diese lästigen Viecher gehört, aber so etwas hätten wir uns im Leben nicht vorgestellt. Kaum hatte man den Wagen verlassen, stürzten sie sich auf einen, bevorzugt auf die Kopföffnungen. So muss sich eine frischverdaute Delikatesse fühlen. Nur unter dem Kopfnetzt war es einigermassen erträglich.

Jetzt sollte es aber endlich auf unser erstes grosses Outback Abenteuer gehen. Vor uns lagen 1.661 km, die uns durch die isolierteste Natur Australiens führen würden und das nur auf zwei Spuren im Sand, die sich verwirrender Weise Anne Beadell bzw. Connie Sue Highway nannten. Diese Tracks wurden in den 50iger Jahren von Len Beadell und seiner Gunbarrel Road Construction Party (sechs Personen) als Zufahrt zum Woomera Raketen Testgelände sowie für Landvermessungszwecke errichtet und nach seiner Frau bzw. Tochter benannt. Heutzutage dienen sie den Australiern lediglich als spannende 4WD-Alternative zur langweiligen Nullabour Line, der weiter südlich asphaltiert und schnurgerade an der Küste entlang führt. Aber einfach alles einpacken und los ist nicht. Neben den üblichen Checks am Auto, benötigt man insgesamt vier Einfahrgenehmigungen, da die Gegend entweder den Aborigines gehört, Wüstenschutzgebiet oder Teil der Woomera Prohibited Area ist. Da wir diesen Trip allerdings nicht erst gestern geplant hatten, waren diese natürlich schon sauber im Handschuhfach verstaut.

Auch wenn wir uns nicht richtig vorstellen konnten, was uns da draussen erwartete, freuten wir uns wie zwei kleine Kinder auf die nächsten sieben Tage fern von jeglicher Zivilisation. Mit insgesamt 120 l Wasser und 240 l Diesel verteilt auf Haupt- und Zusatztank sowie vier Dieselkanistern starteten wir am 22.04. unser Abenteuer. Wir tauchten ein in ein Meer von grün und ocker. Denn auch hier hatte der viele Regen in den letzten Monaten seine Spuren hinterlassen. Die Wüste stand in voller Blüte. Daneben begleiteten uns Scharen von Wellensittichen und sogar einige Nymphensittiche schauten bei uns vorbei. Teilweise war der Track noch nicht mal so breit wie unser Nisto. Die Natur ist stetig dabei, sich auch diesen Teil wieder zu holen, denn vom Staat wird die Strecke natürlich nicht mehr unterhalten und dient ausschliesslich Erholungszwecken. Mit Blick auf die Wellblechpiste können wir letzteres nicht ganz bestätigen. Trotzdem würden wir es jederzeit wieder tun, für diese atemberaubende Landschaft, wo man wirklich noch das Gefühl hat, hier sind wir nur kurze Besucher. Vielleicht ist es als Leser schwer zu verstehen, was das „out the back“ so atemberaubend macht. Auch Fotos können nicht das wiedergeben oder Worte beschreiben, was wir in diesen Momenten gefühlt haben. Reine Natur in seinem ganzen Ausmass.

Auf der gesamten Strecke trafen wir neun fahrende und zwei campierende Autos, acht Personen auf zwei Stationen verteilt sowie elf Auto- und ein Flugzeugwrack. In unseren Augen war das sehr viel, da es sich hierbei um eine der abgelegensten Tracks in Australien handelt. Stellt man sich das auf der Strecke Berlin Moskau vor (Luftlinie fast gleich lang)?! Kaum möglich.

Eine Begegnung möchten wir allerdings besonders hervor heben. Auf halber Strecke trafen wir auf den Senior Elders der Spinifex. Ein Aboriginen-Stamm, mit dem die Weissen erst 1950, im Rahmen der Geländeräumung für den Atombombentest, den ersten Kontakt hatten. Sie wurden in Missionen gesteckt, erhielten aber vor rd. 30 Jahren nach langjährigen Verhandlungen ihr Land zurück. Trotzdem ist natürlich für sie nichts wie früher. Während ihrer Teepause hatten wir Gelegenheit uns zu ihnen zu setzten. Da wir jedoch nur englisch sprachen, war die Verständigung alles andere als einfach. Ausserdem wurde uns einmal mehr deutlich, um andere Kulturen und die Menschen wirklich kennen zu lernen und zu verstehen, braucht man wesentlich mehr Zeit. Trotzdem ist dieser Moment ein sehr spannender gewesen, den wir so schnell nicht vergessen werden. So wie unser erstes Outback-Abenteuer. Für uns könnte es gleich morgen wieder in die einsame Weite gehen, aber jetzt hat uns erstmal das Meer wieder.

Ob wir in dem nassen Etwas planschen oder nur am Strand liegen? Wer weiss…

See ya.

Markus und Sonja

 

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