Cape York unser Action Cape

Queensland: 26.08. – 11.09.2011

Nachdem wir 600 Dünen gemeistert hatten, warteten nun 14 Bäche auf uns. Im Nachhinein ist die Bezeichnung „Bach“ etwas irreführend, denn hier und da taten sich ganze Seen vor uns auf, aber fangen wir von vorne an.

Von Birdsville ging es in einem slalomähnlichen Fahrstil gen Norden. Grund für dieses, von uns neuentwickelte, Vorankommen, war keine Langeweile sondern mittelgrosse Dragons, die sich auf dem warmen Asphalt nieder gelassen hatten oder selbstmörderisch auf die Strasse flitzten. Unser Ziel war der nördlichste Punkt auf dem Festland Australiens: Cape York. Um diesen Ort zu erreichen, gibt es zwei Möglichkeiten: Eine breite Schotterstrasse, auf der man sich mit dem wüstesten Wellblech herumplagt oder ein schnurgerader Track, der entlang der alten Telegraphenlinie führt und früher Servicestrasse, zur Erhaltung der Telefonkabel, war. In der Zwischenzeit dient sie allerdings nur noch den verrückten Geländewagenfahrern, denn der Track wird seit Jahren nicht mehr unterhalten und führt durch diverse Bäche. Genau das Richtige also für uns.

Über ein paar Shortcuts, weit ab von allen Touristen, erreichten wir die „Hauptstrasse“, die uns zu unserem Abenteuer führte. An der Barmwell Junction, einem der vielen Roadhouses auf der Halbinsel, verabschiedeten wir uns endgültig von der breiten Wellblechpiste und standen keine 4 km weiter vor dem ersten Loch. „Neeeee, das kann ja nicht der Weg sein!“ gab der Beifahrersitz hoffnungsvoll von sich. Aber er wurde nicht erhört und so stürzten sich die Männer, nachdem alles genauestens unter die Lupe genommen wurde, kopfüber den Abhang hinunter. Sonja, die auf der anderen Seite des Palm Creeks stand, bekam dabei eine hervorragende Aussicht auf Nistos Dach geboten, leider vergass sie auf den Auslöser der Kamera zu drücken. Nach dieser steilen, mit einer fiesen Stufe gespickten Abfahrt war klar, jetzt gibt’s kein Zurück mehr, denn wir bezweifelten, dass Nisto diese steile Auffahrt wieder schaffen würde. Aber eigentlich hatten wir auch nicht vor umzudrehen, denn dies versprach ein Abenteuer pur zu werden. So steuerten wir Nisto auf den zwei Gleisen weiter Richtung Norden. Auswaschungen und Löcher liessen den Adrenalienspiegel vor allem beim weiblichen Part des N-Teams immer wieder in die Höhe schnellen. Wir dachten zurück an Südamerika, wo wir in Chile in eine unangenehme Schieflage geraten waren. Jetzt wurde uns bewusst, damals waren wir weit weg vom Kippen.

Immer wenn der Track kanalartiger wurde, war klar: Gleich kommt die nächste Wasserdurchfahrt. Und nicht eine war wie die andere. Mal war der Boden sandig, dann wieder steinig mit riesigen Löchern, in denen man schnell mal ein ganzes Auto versenken könnte. Schnell fliessendes oder stehendes Wasser, einmal glasklar und trügerisch, ein andermal matschig. Wie auch immer der Bach aussah, aussteigen und durchlaufen war die Devise, denn nur so war der richtige Weg zu finden. Nicht selten standen wir hüfttief im Wasser. Dabei verliessen wir uns einfach darauf, dass Schilder aufgestellt worden wären, wenn sich Salzwasserkrokodile in den Flüssen tummeln würden. Nachdem wir die ersten vier Flüsse gemeistert hatten, schlugen wir am Dulhunty River unser Lager auf. Wir genossen ein erfrischendes Bad und bekamen sogar Besuch von einem Palmkakadu.

Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg zu der wohl in der Vergangenheit schwersten Flussdurchfahrt, mit dem verheissungsvollen Namen Gunshot Creek. Viele Abenteurer hatten sich hier ganze Autoteile abgerissen oder sind sogar teilweise auf dem Dach gelandet. In diesem Jahr war es allerdings mit eine der einfachsten. Vorausgesetzt, man nahm den Track, der direkt neben den steilen Abfahrten hinunter führte.

In der Zwischenzeit hatten wir das Gefühl jede mögliche Art von Flussbett und Auswaschung gesehen zu haben, viel Neues kann ja nicht mehr kommen, als wir vor einer aus Baumstämmen bestehenden Holzbrücke standen. Nervosität kam beim kompletten N-Team auf. Würde sie bei unserem Gewicht standhalten? Ein Blick unter die Brücke zeigte, dass die letzte unter einem Auto zusammengebrochen war. Aber es half alles nix, zurück wollten wir nicht, also ging es nur vorwärts. Unter Sonjas Handzeichen steuerte Markus Nisto auf die Brücke. Bis auf den letzten halben Meter gab die Konstellation nicht einen Muks von sich. Als wir aber plötzlich zerberstendes Holz hörten, gab Markus Vollgas und landete sicher auf der anderen Seite.

Allerdings war auch hier nach nichts mit ausruhen, denn 13 km weiter erwartete uns die tiefste und letzte Wasserdurchfahrt des Tracks. Auf der anderen Uferseite hatte sich eine Gruppe Australier zum campieren niedergelassen. Als sie uns hörten, kamen sie zum Fluss. Sie boten an, uns mit einem ihrer Autos durch das Wasser zu ziehen. Sie selbst waren Zeugen geworden, wie jemand sein Auto versenkt hatte und sich danach gegenseitig durch den Fluss gezogen. Wir lehnten dankend ab. Das wäre doch gelacht, wenn unser Nisto das nicht schafft. Nachdem unsere Streckenwahl gefallen war, liess Markus Nisto zu Wasser und glitt wie ein kleines Boot durch den Fluss und auf der anderen Seite wieder ans Ufer. Natürlich kam ein Bisschen Stolz auf. Wir hatten alleine und ohne jegliche Hilfe den Old Telegraph Track gemeistert. Jetzt konnten wir uns entspannen.

Am nächsten Tag machten wir noch einen Abstecher zum Jardine River, welcher eigentlich auch zum OTT gehört, aber wohl bereits seit Jahren unpassierbar ist. Natürlich wurmte es uns, an diesem Fluss zu scheitern, aber auf Grund der hier lebenden Salzwasserkrokodile, ist ein Ablaufen der 170 m in keinem Fall empfehlenswert. Also nahmen wir, wie viele andere, die Fähre.

Aber das Cape hatte noch mehr für uns im Angebot. Nachdem auch wir das Pflichtfoto am nördlichsten Punkt geschossen hatten, machten wir uns früher als geplant auf den Rückweg, denn immer wieder gingen die Schleusen am Himmel auf. Diesmal wählten wir die breite Wellblechpiste. Auf dem Weg zurück trafen wir erneut auf Caro und Michi aus der Schweiz, die wir bereits am Tip, mit ihrem in Sydney erworbenen Land Cruiser, getroffen hatten. Nach ein paar Minuten Erlebnisaustausch entschlossen wir gemeinsam einen weiteren Track zu fahren, der uns diesmal an die Ostküste der Halbinsel bringen würde. Natürlich gab es auch hier eine einfachere Strecke, aber wer fährt und sieht schon gerne zweimal das Gleiche.

Zwei Tage brauchten wir für diesen rd. 70 km langen Trip. Schieflagen, Löcher, Matsch und Wasserläufe liessen uns nur sehr langsam vorankommen. Ausserdem beschloss das Reserverad inkl. Tauchflaschen spontan nicht mehr an dem Trip teilnehmen zu wollen. Wir hatten unsaft bei einer Wasserdurchfahrt aufgesetzt, was die Halterung an einigen Stellen brechen liess und alles im Wasser landete. Das grösste Hindernis war jedoch der Pascoe River. Die Abfahrt war steinig und steil, die Durchfahrt nicht tief aber tricki und die Auffahrt auf Grund des Regens schlammig. Da jedoch keiner mehr wirklich umkehren wollte, nur noch wenige Kilometer trennten uns von der „richtigen“ Strasse, versuchten wir unser Glück. Langsam kletterten wir in unseren Troopys den Hang hinunter. Für die Flussfahrt machten wir zur Sicherheit die Winden parat, denn würde einer im Wasser stecken bleiben, musste schnell gehandelt werden. Aber alles verlief reibungslos. Nun mussten wir nur noch den schlammigen Abhang hinauf kommen. Dank Difflocks meisterte Nisto seine Aufgabe ohne Probleme. Caro und Michis treuer Gefährte stockte jedoch auf halber Strecke. Aber wozu hat man eine Winde? Genau, um sie zu benutzen. Also machten wir diese an Nisto fest und so konnte sich Michi aus eigener Kraft den Hang hinaufziehen. Nach zwei Stunden standen wir auf der anderen Seite des Flusses und stiessen mit Sekt auf unseren Erfolg an.

Den nächsten Tag erholten wir uns am Chilli Beach, bevor es schnurstracks durch den Lakefield National Park und auf dem Bloomfield Track durch den Regenwald in Richtung Cairns ging. Auf einer kleinen Wanderung im Daintree National Park hatten wir sogar das grosse Glück einen der sehr seltenen Helmkasuare zu sehen.

In Cairns liessen wir uns seit Wochen mal wieder auf einem Campingplatz nieder. Welche Hiobsbotschaft uns dort erwartete, dann im nächsten Bericht.

Bis bald

Markus und Sonja

 

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