Wenn der Cruiser mit dem Rover

Western Australia: 18.06. – 13.07.2011

Land Cruiser und Land Rover zusammen?! Für einige ein abartiges Gespann. Für uns das Beste, wenn es um Abenteuer, Spass und Freundschaft geht. Und das erlebten wir mit Anita, Roger und ihrem Rebelde www.nichtswieweg.ch. In Melbourne hatten wir sie zum ersten Mal getroffen. In Broome kam es nun zu einem Wiedersehen, bei dem wir beschlossen ein Stück gemeinsam zu reisen. Das daraus gleich 3 ½ Wochen wurden, damit hatte keiner gerechnet.

Nach zwei Tagen Telenovela live, unser Campingplatz hatte von hitzigen Beziehungskrisen über Alkoholikern, die einem ihr Taschenradio direkt ans Ohr hielten, alles zu bieten, verliessen wir zu viert Broome. Unser Ziel war Cape Leveque an der Spitze der Dampier Peninsula nördlich von Broome. Dieses Fleckchen Erde ist bekannt für seine atemberaubenden Strände und faszinierenden roten Klippen. Gleich am ersten Abend fanden wir ein herrliches Plätzchen direkt am Strand mit Sicht auf das Meer. Allerdings mussten wir hierfür eine Düne überqueren. Aber es wäre doch gelacht, wenn wir das nicht geschafft hätten, denn schliesslich waren wir vier in der Zwischenzeit Spezialisten im Sändele. So konnten wir mal wieder eine ruhige sternenklare Nacht ausserhalb jeglicher Zivilisation ganz für uns alleine geniessen.

Geweckt wurden wir am nächsten Morgen allerdings nicht nur durch die Sonne. Der Wind hatte deutlich aufgefrischt und zerrte an unserem Dachzelt. Verzweifelt suchten wir nach einem Frühstücksplätzchen, bei dem das Marmeladenbrot nicht unter einem Haufen rotem Sand verschüttet wurde. Blieben allerdings erfolglos, und so nahmen wir das Frühstück zähneknirschend zu uns. Während wir immer weiter paniert wurden, machten wir in der Ferne eine Person aus, die in unsere Richtung  lief. Na wo kommt der denn her und vor allem, hat der überhaupt etwas an? Ja, klar, einen Rucksack! Wie, nur einen Rucksack? Wo sind wir denn jetzt schon wieder hingeraten? Beim Appenzeller-Nacktwandern oder was?

Nachdem wir auch diese Begegnung, ohne Schaden zu nehmen, überstanden hatten, packten wir zusammen und ab gings wieder über die Düne zum nächsten Strand, denn die sind hier wirklich traumhaft schön. Auch das Meer lockte mit seiner türkisen Farbe, aber im Hinterkopf schlummerten die Salzwasserkrokodile, die es hier geben sollte. So begnügten wir uns mit dem wunderschönen Anblick, mal von einem Camping, ein anderes Mal bei einem Strandspaziergang, der schnell auf 8 km ausartete, weil Anita und Sonja nicht genug von den wunderschönen, teilweise riesigen Muscheln bekommen konnten. Wir wären wahrscheinlich heute noch dort, wenn nicht für jeden Strand ein Eintrittspreis von AUD 8-10 verlangt würde.

Nach 5 Tagen kehrten wir wieder nach Broome zurück, wo uns eine Nachricht ereilte, mit der wir nicht mehr gerechnet hatten. Die Kimberleys im Norden Western Australias waren einer unserer Höhepunkte Australiens. Da die Regenzeit in diesem Jahr jedoch äusserst heftig und lang ausgefallen war, würde dieser Teil erst deutlich später als in den Vorjahren geöffnet werden. Seit Mai kontrollierten wir regelmässig das Vorankommen der Arbeiten an den Tracks via Internet. Während es  an der Gibb River Road gut voranging, war der Weg zu einer der grössten Attraktionen in dieser Gegend bis zu unserem ersten Besuch in Broome noch geschlossen. Einheimische munkelten sogar, dass sie wohl dieses Jahr gar nicht mehr repariert würde. Aber das Glück schien auf unserer Seite, denn pünktlich zu unserem Start wurden die Pforten geöffnet. Jetzt standen uns alle Türen und Tore zu einem der letzten Abenteuer in Australien offen.

Viel hatten wir über diesen Track gehört und natürlich waren wir aufgeregt wie vier Kinder einen Tag vor Heilig Abend. Nur noch den Wagen bis oben mit Lebensmitteln, Diesel und Wasser füllen, denn für die nächsten zwei Wochen, würden Einkaufsmöglichkeiten rar sein, dann gings los. Schnell mussten wir jedoch merken, das grosse Abenteuer, was es früher einmal war, ist es heute nicht mehr. Der Track glich eher einem australischen Highway: genauso breit und genauso befahren. Nur der Bulldust, das Wellblech und die gelegentlichen Flussdurchfahrten erinnerten uns daran, dass wir abseits der Zivilisation waren. Die Schluchten und Wasserfälle, wofür die Gegend berühmt ist, sind allerdings immer noch einzigartig. Während wir in der Windjana Gorge auf Tuchfühlung mit Süsswasserkrokodilen gingen, versuchten wir ein anderes Mal den richtigen Weg durch den Tunnel Creek zu finden, ohne gleich ein Vollbad nehmen zu müssen. Erschwerend kam hinzu, dass es stockfinster war, denn der Fluss führt durch einen Tunnel durch die Napier Range. So kam es, dass wir trotz Taschenlampe bis zum Bauch im Fluss versanken. Die Tatsache, dass Süsswasserkrokodile auch dieses Plätzchen ihr zu Hause nannten, haben wir dabei immer erfolgreich ausgeblendet. Aber sie sollen ja nicht so hungrig auf uns Zweibeiner sein, wie ihre Artverwandten. Dieser Spaziergang war definitiv einer unserer Höhepunkte auf unserer Tour durch die Kimberleys. Aber auch den einen oder anderen Wasserfall liessen wir uns nicht entgehen, die trotz der bereits fortgeschrittenen Trockenzeit, noch übermässig viel Wasser im Angebot hatten. Sogar einen Umweg von rd. 500 km nahmen wir in Kauf. In Europa kaum zu glauben, dass jemand mal eben von Zürich nach Ascona hin- und zurückfährt, ohne jegliche Zivilisation dazwischen, nur um Wasser in die Tiefe fallen zu sehen. Aber die Mitchell Falls scheinen eine magische Anziehungskraft zu haben. Was die Natur hier geschaffen hat, ist einfach atemberaubend. Und das Schöne an diesem Platz ist: Kein Boardwalk oder Busladungen von Menschen zerstören dieses spektakuläre Bild. Natur pur soweit das Auge reicht.

Unsere letzte Station auf der Gibb River Road war der El Questro Wilderness Park. Eine private Farm, die gelernt hat, dass man allein von australischen Rindern nicht reich wird, dafür aber von Touristen. Jetzt verkaufen sie neben ihren Steaks auch Wasserfälle, Schluchten und Aussichtspunkte, die sich auf ihrem rd. 4.000 qm grossen Grundbesitz befinden. Angelockt von wunderschönen Bildern der Gegend, schnappte die Falle auch bei uns zu. Ok, der eine oder andere Wasserfall liess einen aus dem Staunen nicht mehr herauskommen, aber das für AUD 118,00, in unseren Augen ein Bisschen übertrieben. Der Höhepunkt der Unverschämtheit kam allerdings noch. Auf einer Anschlagtafel mit diversen weiteren Tätigkeiten fanden wir die Möglichkeit einer Bootanmietung für „schlappe“ AUD 130,00 für einen halben Tag. In der Zwischenzeit hatten wir gelernt: In Australien hat alles einen Haken, aber hier konnten wir ihn partout nicht finden. Wir mussten den Motor für das Boot nicht extra zahlen und da es ein Elektromotor war, kamen auch keine zusätzlichen Spritkosten hinzu. Die Gibb-River-Road-Reisegruppe tagte und entschied, ja wir wagen es, denn schliesslich hatte man erst vor einigen Tagen ein grosses Salzwasserkrokodil in der Chaimberlain Gorge gesichtet. Pünktlich um 7 Uhr am nächsten Morgen sassen wir in unserer Nussschale und machten Jagt auf Saltis. Mit dem Wind im Rücken und dem Sonnendach aufgeklappt, flitzten wir über den Fluss. Als jedoch nach einer halben Stunde grosse Steine jegliche Weiterfahrt unmöglich machten, hatten wir ihn gefunden -den Haken-. Wie sollte man auf einem Fluss, der auf Grund der Trockenzeit gerade mal 0,5 qkm gross war, fünf Stunden rumkriegen und gleichzeitig nicht vor Langeweile totumfallen, denn Schwimmen war tunlichst zu unterlassen, falls man als Ganzes wieder an Land kommen wollte. Nach einer weiteren Stunde Erkundung der Schlucht perpedes und einer erneuten Stunde schippern, hatten wir unseren Ausgangspunkt vom Morgen wieder erreicht. Und nun?! Mmmh, versuchen wirs doch mal in die andere Richtung. Hier und da schauten zwar einige Steine aus dem Wasser, aber die könnte man ja umfahren. Leichter gesagt als getan, denn bereits nach einigen Metern kratzte das Boot am steinigen Grund und steckte fest. Während Sonja noch zögerte, auch wenn wir bisher keine Krokodile gesehen haben, heisst das ja nicht, es sind keine da, standen die anderen bereits im Knie tiefen Wasser und zogen und zerrten an der Nussschale. Aber auch nachdem die Prinzessin auf der Erbse ausgestiegen war, liess es sich partout nicht davon überzeugen, dass das andere Wasserloch doch auch ganz nett sein könnte. So gaben wir einige Minuten später auf und schipperten wieder in die uns bereits bekannte Gegend. Nach einer weiteren Schlaufe war es langsam an der Zeit für den Rückweg. Noch rd. 1 km vom Anlegesteg entfernt, stellte Markus plötzlich fest, dass die Batterie unseres Motors langsam aber sicher den Geist aufgab. Mit dem Wind im Gesicht ging es nur im Schneckentempo voran. Es half alles nichts, unsere Muskelkraft würde gefragt sein und so paddelten wir uns mehr oder weniger zurück an Land. Dort angekommen liessen es sich Roger und Markus nicht nehmen, nach einer Entschädigung unserer Anstrengungen zu fragen. Und wieder einmal wurde klar, wer nicht fragt der nicht gewinnt, denn am Ende waren wir stolze Besitzer von vier Bier. Was mit Blick auf die hier herrschenden Preise in unseren Augen ein angemessener Ausgleich war.

Zwei Tage später erreichten wir Kununarra und feierten unser Überleben der Gibb-River Road. Allerdings mussten wir mit letzterem bis 17 Uhr warten, denn in vielen Orten im Norden Australiens wird vorher kein Alkohol verkauft. Ausserdem darf nur eine bestimmte Menge pro Person erworben werden. Um dies auch sicherzustellen, wird der Ausweis beim Einkauf eingescannt. Dieses Vorgehen soll den Alkoholmissbrauch verhindern. Wir haben allerdings unsere Zweifel, ob das ganze Getue auch etwas bringt, denn man sieht immer wieder betrunkene bereits zur Mittagszeit durch die Strassen laufen. Weiter kam bei uns die Frage auf, wie man hier eine grössere Feier organisiert. Muss man bereits Monate im Voraus mit dem Bunkern beginnen oder gibt’s dafür eine Selle bei der man ein Partyalkoholpermit beantragen kann. Da an unserer Party jedoch lediglich wir vier teilnehmen würden, mussten wir uns nicht den Kopf zerbrechen, ob die erworbenen 30 Bierbüchsen pro Pärchen ausreichen würden.

Gemeinsam machten wir noch einen Abstecher zum Lake Argyle, ein Stausee, welcher das zweitgrösste Wasserreservoir in Australien ist, bevor es hiess Abschied nehmen. Während wir noch ein Bisschen in der Gegend herumkurven wollten, ging es für Anita und Roger auf nach Darwin, wo sie ihren Rebelde für die Verschiffung nach Afrika vorbereiten mussten. So schnell werden wir die gemeinsamen Wochen nicht vergessen und freuen uns schon jetzt auf eine Fortsetzung, wo auch immer diese sein wird. Vielleicht ja schon in Darwin.

Liebe Grüsse

Markus und Sonja

 

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