Blumen, Schluchten und Einsamkeit

Western Australia: 06.06. – 18.06.2011

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir mit Kilometer abspulen. Begleitet wurden wir dabei von Dauerregen. Mit den Gedanken an die schöne Zeit am Ningaloo Reef war die Stimmung dementsprechend. Nicht selten schoss es uns durch den Kopf, sollen wir nicht doch vielleicht umdrehen? Aber wir blieben bei unserem Plan und rollten gen Norden.

In Karratha angekommen, stürmten wir das Visitor Center. Wir brauchten mal wieder ein Permit für eine Nebenstrasse. Diesmal handelte es sich um eine Privatstrasse, die einer Minengesellschaft gehörte und entlang ihrer Eisenbahnlinie führte. Hierfür mussten wir uns ein Video anschauen. Bereits nach den ersten Minuten hatten wir das Gefühl, die veräppeln uns doch und suchten nach der versteckten Kamera. Aber nein, das war wirklich ernst gemeint. So liessen wir uns von einem Mann berieseln, der uns beibrachte, wie wir auf einer Schotterstrasse zu fahren haben, ohne auf dem Dach zu landen. Wie viele Kilometer unbefestigte Strasse waren wir in den letzten zwei Jahren doch gleich noch mal gefahren? Dass er uns nicht noch mitgeteilt hat, wo wir das Gas- bzw. das Bremspedal finden würden, ist ein Wunder. Aber immerhin hielten wir zwanzig Minuten später das Permit in der Hand. Jetzt nur noch schnell den Kühlschrank füllen und dann ab ein Schlafplätzchen suchen, welches wir zwischen riesigen Steinen hinter einem Strand in der Nähe von Karratha fanden.

Während wir absolut begeistert von unserem Fund waren, schienen die Ranger etwas dagegen zu haben. Noch bevor die Sonne am nächsten Morgen den Horizont passiert hatte, klopfte jemand an unsere Tür. Nach fünf Monaten wildem campieren hatte man uns also erwischt. Wir stellten uns auf eine Standpauke inklusive Busse ein, die jedoch ausblieb. Nachdem er uns erklärt hatte, dass das Campieren in Western Australia lediglich an den gekennzeichneten Plätzen erlaubt ist, quetschte er Markus über das Auto und unsere Reise aus, während Sonja schon mal das Frühstück vorbereitete.

Nachdem wir uns die Felsgravuren der Aborigines auf der Burrup Peninsula nördlich von Karratha angeschaut hatten, steuerten wir wieder ins Landesinnere. In der Zwischenzeit hatte sich die Sonne wieder zurückgemeldet und so konnten wir die Fahrt auf der perfekten Privatstrasse durch die wunderschöne Landschaft der Pilbara in vollen Zügen geniessen. Nach einem Abstecher in den Millstream-Chichester National Park steuerten wir wohl einen der spektakulärsten Orte Australiens an. Steile Schluchten und eiskalte klare Badelöcher erwarteten uns im Karijini National Park. Allerdings hatte auch hier der heftige Regen in den Sommermonaten seine Spuren hinterlassen und so war die eine oder andere Schlucht bzw. Strasse gesperrt. Trotzdem wurde unsere Abenteuerlust gestillt.

Wir liefen jeden einzelnen Quadratmeter des Parkes ab. Unser Höhepunkt war jedoch der Handdrailpool. Bereits zu Beginn der Wanderung galt es den richtigen Weg durch den Fluss zu finden ohne samt Kleidung und Rucksack baden zu gehen. An anderen Stellen versuchten wir uns an den Wänden der Schlucht entlang zu winden, was jedoch alles andere als einfach war. Die Steine waren durch das Wasser so glatt poliert, dass man das Gefühl hat, man läuft auf Schmierseife. Diese Balanceakte wurden jedoch reichlich belohnt. Atemberaubende, allein von Wasser geformte enge Schluchten, die sich plötzlich zu einmalig geformten runden Pools öffneten, nur um an einer anderen Stelle wieder eine enge Schlucht zu bilden. Überall versuchten wir, ein Bad in dem kalten Nass zu verhindern. Allerdings kamen wir an einen Punkt, wo uns nichts anderes übrig blieb, als Augen zu und durch. Bis zum Schluss hatten wir uns geweigert, denn die Sonne würde uns nach diesem Bad nicht aufwärmen und der kühle Wind würde alles dran setzen noch weiter für Auskühlung zu sorgen. Aber es kann doch nicht angehen, dass der letzte Pool unseren Augen verborgen bleiben sollte. Also hiess es Kleidung aus und durch. Wir haben es nicht bereut.

Ausgekühlt machten wir uns auf den Rückweg. Wir versuchten uns gerade an der ersten Wand, als es passierte. Während Sonja sich gerade noch wie ein Wunder an einem polierten Stein mit einer Hand festkrallen konnte. Hörte sie hinter sich einen lauten Klatsch. Zum Glück hatte Markus die letzten Sekunden vor seinem Absturz genutzt, sich eine Stelle auszusuchen, die ihn nicht ganz im Wasser verschwinden liess. Beim Turmspringen hätte er bestimmt die volle Punktzahl bekommen. Danach hiess es allerdings nur noch raus an die Sonne.

Nach drei Tagen brachen wir wieder auf. Jetzt sollte es mal wieder hinaus in die Einsamkeit gehen. Sonja hatte auf der Karte den abgelegensten Nationalpark Western Australias, den Rudall River National Park, gefunden. Bereits in Karratha hatten wir uns auf die Suche nach Informationen gemacht. Auch wenn wir im Visitor Center auf eine Dame gestossen waren, die vor einigen Jahren selbst dort war, konnte sie uns abschliessend nicht helfen. In Newman, die letzte Stadt vor dem Park, versuchten wir erneut unser Glück, aber dort zuckte man lediglich mit den Schultern. Noch nicht einmal die Frage nach dem Zustand der Strassen konnte man uns beantworten. Immerhin bekamen wir eine Kopie einer handgezeichneten Karte mit diversen Telefonnummern von 2006. Den Nachmittag verbrachten wir damit, diese Nummern anzurufen, aber entweder war besetzt, oder die Leute hatten keine Ahnung. Unsere letzte Hoffnung war die Polizei, die jedoch ausser einer weiteren Telefonnummer nichts Besseres im Angebot hatte. Immerhin wussten sie, wo es das günstigste Diesel in der Gegend gab. So tankten wir voll und machten uns auf den Weg, ohne zu wissen was uns erwartet.

Bereits am nächsten Tag erreichten wir den Park. Das Outback hatte uns wieder. Zwei Gleise führten uns durch eine atemberaubende Landschaft. Die Wüstenblumen hatten bereits angefangen zu blühen. Scharen von Nymphen- und Wellensittichen schienen uns an ihrem Plätzchen Erde begrüssen zu wollen. Keine Menschenseele weit und breit. An einer Pfütze, ein Überbleibsel des aktuell trockenen Rudell River, schlugen wir unser Lager auf und genossen mal wieder eine Nacht mitten in der Wildnis. Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg zu einem Rockhole, welches auf unserer Karte eingezeichnet war. Es gab zwei Tracks dorthin. Da der eine aber als schwer erkennbar markiert war, wählten wir selbstverständlich den anderen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es genau anders herum war. So verschwanden immer wieder Büsche und Sträucher unter dem Nisto. Ausgetrocknete Flüsse mussten erst abgelaufen werden, um auf der anderen Seite irgendwelche Spuren auszumachen, an denen es weiter ging. Auf dem Rückweg wählten wir dann den anderen Track.

Ausserdem stellte sich uns mal wieder die Frage: Wann kippt unser Nisto denn nun wirklich. Am Nachmittag steuerten wir ein weiteres Wasserloch, mit dem schönen Namen Desert Queens Bath an. Der Track dorthin war als schwierig markiert. Aber in der Zwischenzeit gaben wir nichts mehr auf die Angaben unserer handgezeichneten Karte. Bis wir vor einer Auswaschung standen. Uns blieb nichts anderes übrige, als es zu riskieren. Ein Umfahren hätte wahrscheinlich in mindestens einem Platten geendet, da so viel Geäst herum lag. Stück für Stück fuhren wir also in die Schieflage. Während Sonja nur noch mit geschlossenen Augen und angehaltenem Atem auf den Moment wartete, steuerte Markus Nisto langsam weiter. In der Fahrerkabine purzelten Steine, als wir wieder halbwegs in der Waagerechten standen. Das waren wahrscheinlich unsere längsten 30m. Da wir die Nacht an dem Pool verbrachten, kam der zweite Adrenalinschub erst am nächsten Morgen. Auch diesmal blieb die Frage zum Glück unbeantwortet.

Zwei Fahrtage später erreichten wir Broome. Wen wir dort trafen, und wie es von da an weiterging, dann im nächsten Bericht.

Liebe Grüsse aus Kathrine, wo wir endlich mal wieder Internet gefunden haben.

Markus und Sonja

 

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