Der magische Fels

Northern Territory: 03. – 18.08.2011

Unser nächstes grösseres Ziel, Alice Springs, lag mal wieder rd. 1.200 km von unserem aktuellen Aufenthaltsort entfernt. Das bedeutete fahren, fahren und noch mal fahren. Aber auch diese Zeit wurde natürlich sinnvoll genutzt, mit E-Mails und Bericht schreiben sowie nähen, denn unsere Kleidung hatte in der Zwischenzeit mehr Ähnlichkeit mit einem Schweizer Käse als mit Hose, T-Shirt oder Socke.

Aber auch Australien sorgte hier und da für einige kleine Abwechslungen. Im Elsey National Park konnten wir unsere vom langen Sitzen steif gewordenen Glieder in einer Thermalquelle entspannen und bei den Devils Marbles unser Können im Murmelspiel unter Beweis stellen. Bei letzterem handelt es sich um riesige, wackelig aufeinander getürmte Granitblöcke, Überbleibsel flüssiger Lava, die über Millionen von Jahren erodiert sind.

Nach 4 Tagen erreichten wir Alice Springs. Da allerdings gerade Wochenende war, verzogen wir uns in die East Macdonnell Ranges, um uns von der langen Fahrt zu erholen. In der Trephina Gorge liessen wir uns nieder, legten die Beine hoch und harrten der Dinge, die da kamen. Über das, was dann schlussendlich vorbei flitzte, war nicht jeder im N-Team begeistert. Im Dämmerlicht erkannten wir immer wieder dunkle Flecken, die kreuz und quer unter und um unseren Nisto huschten. Ein näheres Hinsehen brachte die Rätsellösung: Mäuse! Jetzt würde sich zeigen, ob wir das Loch gefunden hatten, wo sie seinerzeit in den Nisto eingestiegen waren. Sonja verbrachte eine sehr unruhige Nacht. Immer wieder hörte sie angebliches Geraschel in der Mülltüte. Aber ausser den Weg in den Motorraum, dort fand Markus am nächsten Morgen gleich zwei, hatte sich niemand in die Gefahrenzone „Innenraum“ begeben. Na also, geht doch.

Zurück in Alice machten wir uns auf den Weg in die Schule. Genauer gesagt, ins mit 1.300.000 qkm weltweit grösste Klassenzimmer (Zehnmal so gross wie England). Im Juni 1951 wurde die Schule mit dem Namen School of the Air gegründet. Man hatte festgestellt, dass Kinder in abgelegenen Gebieten kaum soziale Kontakte hatten und der Meinung war, dass das Funkgerät  helfen würde. In der Zwischenzeit erfolgen Live-Übertragungen der Unterrichtsstunden über Internet via Satellit. Die Kinder leben auf grossen Rinderfarmen mitten im Outback, Gemeinschaften der Aborigines, in Touristenorten (wie z.B. Raststätten), Nationalparks und Militärbasen. Teilweise liegen rd. 1.009 km zwischen Schüler und Klassenzimmer. Der Lehrplan ist derselbe wie an allen anderen öffentlichen Schulen im Northern Territory. Allerdings auf Basis eines Fernstudienprogramms an dem Lehrer, Hilfspersonen, Eltern, Hauslehrer und Schüler beteiligt sind, denn natürlich kann pro Tag nur eine Stunde Live-Unterricht pro Schulklasse gegeben werden. Wir hatten das Glück rechtzeitig zu so einer vor Ort zu sein. Und auch wenn es ja nur eine ganz normale Schulstunde ist, irgendwie beeindruckt es einen doch. Ausserdem statteten wir den Roal Flying Doctors einen Besuch ab. Für die Menschen in den abgelegenen Gebieten Australiens in 1928 gegründet, in der Zwischenzeit aber für jeden gesundheitlichen Notfall oder Transport unterwegs. Wie auch für uns, falls uns irgendwo im Outback etwas zustossen sollte.

Natürlich waren wir nicht nur deswegen ins rote Zentrum Australiens gekommen. Der eigentliche Grund war ein riesiger Fels, der aus dem Nichts aufzuragen scheint und rot in der Sonne leuchtet. Aber dieser ist nicht die einzige Steinformation, die einen in dieser Gegend zum Staunen bringt. So starteten wir unsere kleine Rundreise durchs Outback im Rainbow Valley, wo wir auf frei stehende Sandsteinfelsen und –klippen trafen, sowie eine, mit einem Formular wedelnde, Frau. Nanu, watten datten?! Tja, wir hatten es wieder einmal rechtzeitig zu einer Volkszählung geschafft. Noch nicht einmal mitten im Outback war man hiervor sicher. Aber immerhin herrschte keine Ausgangssperre wie in Equador. Sonja machte sich gleich pflichtbewusst an die Arbeit. … Where did the person usually live one year ago? (Wo hat die Person vor einem Jahr gelebt?) … Bolivia?!?!?! … How many bedrooms are in this dwelling? (Wie viele Schlafzimmer gibt es in dieser Wohnung?) … Zwei?! … Can the Internet be accested at this dwelling? (Kann Internet in dieser Wohnung empfangen werden?) … Manchmal?!?! … Ob man aus unseren Antworten jedoch schlau wird oder alles im hohen Bogen im Müll landet?! Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren.

Weiter ging es in den Finke Gorge National Park. Hier machten wir eine kleine Wanderung durch das Palm Valley. Eine grosse Schlucht, die von roten Klippen und den seltenen roten Schirmpalmen gesäumt ist. Bevor wir nach einem weiteren Tag auf einem holprigen Weg durch die malerische Finke Gorge den wohl am meist fotografierten Fels Australiens erreichten: Den Uluru (Ayers Rock). Er ist 3,6 km lang und überragt das umliegende sandige Buschland um 348 m. Man geht davon aus, dass zwei Drittel des Berges unterhalb der Erdoberfläche liegen. Da seine rote Farbe am späten Nachmittag am besten zur Geltung kommt, pilgerten wir, wie hundert andere Touristen, zum Sonnenuntergang zur Aussichtsplatform. Und tatsächlich kommt einem das Ganze ein Bisschen Unwirklich vor, wie hinein projeziert in die sonst fast platte Landschaft.

Die gesamte Gegend ist für die ursprünglichen Eigentümer, die Angangu-Aborigines, von extrem grosser kultureller Bedeutung. Aus diesem Grund bitten sie die Touristen, von einer Besteigung des Felsens abzusehen. Der Weg seitlich hinauf ist Teil der Route, den die Mala-Ahnen nahmen, als sie dort ankamen. Da es uns sowieso viel zu heiss für eine fast hundertgrädige Steigung war, und wir eine 360 Grad-Rundumsicht auf plattes Land nicht sehr reizvoll fanden, entschieden wir uns am nächsten Tag für die Umrundung. So lernen wir ganz andere Perspektiven dieses Felsens kennen, kamen aber auch so auf den 10 km kräftig ins Schwitzen.

Nach einem Abstecher zu den Olgas, beeindruckende Ansammlungen von Monolithen und die Nachbarn des Uluru, verliessen wir diesen spirituellen Ort und machten uns auf den Weg in die West Macdonnell Ranges. Vorher legten wir aber noch einen Stopp am Kings Canyon ein. Ein Wanderweg führte nach einem steilen Anstieg am Canyonrand entlang und belohnte uns mit atemberaubenden Ausblicken. Aber am meisten hatten es uns die gigantischen verwitterten Sandsteinkuppeln angetan. Bungle Bungles in Kleinformat.

Zum Abschied unserer Rundfahrt hiess es noch einmal Schluchten in jeglichen Formen und Farben, bevor wir wieder in Alice Springs aufschlugen und unsere zweite Outback-Durchquerung vorbereiteten.

Wo es diesmal lang ging, dann im nächsten Bericht.

Bis bald.

Markus und Sonja

 

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