Wir hinterlassen totale Verwirrung

Honduras: 26. – 27.12.2009

Nachdem wir in Guatemala und El Salvador nur gute Erfahrungen mit den Polizisten gesammelt hatten, erwarteten wir in Honduras nichts anderes. Tja, erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Noch nicht vom Grenzareal herunter, winkte uns schon der erste Polizist raus. Wir hielten ihm die Quittung der bezahlten Importgebühren für Nisto unter die Nase, aber die wollte er gar nicht sehen. Auf unsere Frage, wo denn das Problem sei, fiel ihm anscheinend nichts Gescheites ein, und so eilte ihm einer seiner Kollegen zur Hilfe: Wir seien zu weit gefahren, wir hätten an den ersten roten Hütchen anhalten müssen. Aha, das kann ja lustig werden, schliesslich hatte uns der erste Polizist genau an diesen Ort gewunken. Ein wirres Hin und Her begann. Wir verstanden sie nicht, und sie verstanden uns nicht. Deutsch, Spanisch, Englisch und ein Bisschen Französisch, wir gaben unser bestes die Männer in Uniform total zu verwirren. Dann fiel einem ein, er könnte ja mal Markus Führerschein verlangen. Wir händigen seit Mexiko keine Originale mehr aus (Es sei denn an der „richtigen“ Grenze.), denn sobald sie diese in den Händen haben, finden sie etwas, und wir müssen zahlen, sonst sehen wir unsere Papiere nie wieder. Daher bekam er nur eine Kopie. Mit bösem Blick beharrte er jedoch auf dem Original. Markus schüttelte nur den Kopf und fragte erneut, was das eigentliche Problem sei. Das war dann zu viel für den Ordnungshüter. Er öffnete die Tür und forderte Markus auf auszusteigen. Daraufhin schlug Markus einen neuen Deal vor:  „Ihr Polizeiausweis gegen meinen Führerschein!“ Ein grosses Fragezeichen im Gesicht des Polizisten, aber er „gehorchte“. Die Tür viel wieder zu. Allerdings durfte Markus nur einen kurzen Blick darauf werfen. Wir wollten aber seinen Namen und die Nummer aufschreiben. „Noooooo.“ „Tja, dann gibt’s auch von uns keine Originale.“ Langsam sah man Verzweiflung im Gesicht des Polizisten aufkommen, und er blieb sprachlos an unserem Autofenster stehen. „Wo geht’s noch mal hin?“ „Panama. … Können wir jetzt fahren.“ „Haut schon ab!“ Na also, geht doch, warum nicht gleich so.

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht und stolz geschwellter Brust, ha, wir haben denen nichts gezahlt, fuhren wir auf die Strasse gen Süden. Allerdings kamen wir nicht weit. Hier stand nun der Mann, dem wir die Quittung für die Importgebühren zeigen sollten. Dass er auch noch eine Kopie haben wollte, hatte uns keiner gesagt.  Grundsätzlich kein Problem. Es sind genug Copyshops vorhanden. Leider befinden sich diese alle Zwischen der Grenze und den Polizisten, die wir gerade gemeistert hatten. Aber es blieb uns nichts anderes übrig. Wir kehrten um, allerdings brachten uns keine zehn Pferde erneut an den Polizisten vorbei. So lief Markus das letzte Stück zu Fuss und kehrte ohne Zwischenfälle zurück.

Die Reise konnte fortgesetzt werden. Aber schon einige Kilometer weiter, wurden wir erneut von einem Polizisten raus gewunken. Und das gleiche Spielchen begann. Auch er wollte den Führerschein sehen. Diesmal gings um Warndreieck und Reflektoren. Tja, dafür braucht man aber nicht unsere Papiere, schliesslich hatte er noch gar nicht sehen können, ob wir richtig ausgestattet sind. Auch ihm reichten wir die Kopie. „Nein, das Original.“ „Gerne, wenn wir Ihren Ausweis sehen dürfen.“ „Foto?“ „Nein, Ihren Polizeiausweis. Wir wollen gerne Namen und Nummer aufschreiben.“ Er zeigte uns den Ausweis und Markus griff danach. Aber schnell war dieser wieder verschwunden. So dass wir gerade mal seinen Namen im Vorbeigehen lasen. „Tja, dann gibt’s halt auch von uns nichts.“ Der Polizist schaute uns mit offenem Mund an. „Können wir jetzt weiterfahren?“ Markus schnappte ihm die Kopie seines Führerscheines aus der Hand (so viele Kopien hatten wir nicht mehr) und begann das Fenster hochzukurbeln. „Wir fahren dann jetzt mal weiter. Adios!“ Und so hinterliessen wir auch hier einen verwirrten Polizisten.

So langsam fanden wir Gefallen an diesem Spielchen. Und tatsächlich liess die nächste Kontrolle nicht lange auf sich warten. Bevor der  Ordnungshüter jedoch etwas sagen konnte, liess Markus seinen Unmut über bereits die dritte Kontrolle auf den ersten 50 km raus. Und wir vermuten, dass hatte auch seine Wirkung. Denn ohne ein Wort akzeptierte er die Kopie und wünschte uns eine gute Reise.

Insgesamt kamen wir auf einer Strecke von 89 km in 5 Kontrollen. Davon winkte man uns jedoch durch die zwei letzten durch.  Möglicherweise lag es daran, dass wir diesmal an den richtigen roten Hütchen angehalten hatten.

Da wir keinen geeigneten Campingplatz fanden und nach den Erfahrungen mit der Polizei nicht vor Ihrem Office stehen wollten, zogen wir für eine Nacht in ein Hostelzimmer. Bevor wir am nächsten Morgen wieder auf Konfrontationskurs mit den Polizisten gingen.

Und tatsächlich, die erste Kontrolle liess nicht lange auf sich warten. Wir überreichten die Kopie. Auf die Frage nach dem Original gab es unsererseits nur ein Kopfschütteln und den Hinweis Polizeiausweis gegen Führerschein. Vor unserem Fenster hörte man sich die Polizisten beratschlagen: „Können die Spanisch?“ „Nein, ja,… halt nur ein Bisschen!“ … „Nur die Kopie!“ …. Schnell eine Rückfrage …. Eine wild fuchtelnde Sonja: „5 Kontrollen mit Kopie, alles in Ordnung. Hier nicht! Wo ist Problem?“ „Was sagt sie?“ „Keine Ahnung! Was machen wir jetzt?“ „Wird schon ok sein! …. Gute Fahrt!“ So liess man uns in zwei weitere Kontrollen fahren, die wir aber alle mit Bravur meisterten. OK, sie waren auch nicht mehr so intensiv.

Nach 137 km Honduras und 8 Polizeikontrollen fuhren wir um die Mittagszeit auf die Grenze nach Nicaragua zu. Wie eh und je empfingen uns 20 Schlepper, die alle helfen wollten, und die es nun ging, höflich wieder loszuwerden. Wie wir das gemeistert haben, im Nicaragua Bericht.

Liebe Grüsse von den Adrenalin-Schüben-Geplagten

Markus und Sonja

 

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