Jetzt nehmen wir es aber persönlich

Alaska: 30.07. – 06.08.2009

Wir waren mal wieder in Alaska. Nein, nein, wir sind nicht wieder zurückgefahren. An der Westküste von Kanada gibt es noch einen „kleinen“ Streifen, der zu Alaska gehört und sich Inside Passage schimpft. Diesen Bereich kann man bis auf vereinzelte Örtchen fast ausschliesslich nur mit Booten anfahren oder Flugzeugen anfliegen.

Unser Ziel war Haines. Der Reiseführer hatte nicht gelogen, der Highway dorthin war wahnsinnig schön und die Sonne tat ihr übriges. Kurz vor der Stadt machten wir noch jagt auf Seeadler, das Nationaltier der USA. Leider bekamen wir nur vereinzelte vor die Linse, aber es ist halt noch nicht die Saison. Nachdem wir einen Campingplatz gefunden hatten, begann unverzüglich die Planung für die nächsten Tage. Nachdem es ja nichts mit den Gletschern und den Walen im Norden geworden war, wollten wir es im Glacier Bay National Park versuchen. Eine Strasse dorthin gibt es nicht, aber da dieser Park ein Traum schlechthin sein soll, werden da bestimmt reihenweise andere Möglichkeiten vorhanden sein. Dachten wir. Aber von der guten Dame im Visitor Center kam nur ein Achselzucken, neben der kleinen 4 seitigen Broschüre. Naja, selbst ist die Frau und so ging die Durchforstung des Internets los. Und dauerte, einen ganzen Nachmittag. Unser Ergebnis: Zwei E-Mails an ansässige Firmen vor Ort. Da das Wetter Mitte der nächsten Woche wieder schlechter werden sollte, wollten wir gleich am Sonntag los (Wir hatten Freitag.). Also warteten wir mal. Umsonst, es kam keine Antwort. Also nahmen wir es am Samstagvormittag wieder in die Hand und telefonierten den halben Tag den ganzen Park durch. Nur ein kleiner Gesprächsausschnitt: „Ja, für Morgen sind noch Plätze auf dem Schiff frei.“ „Sie bieten Ihr Schiffspaket inklusive Flug auch von Haines aus an, haben wir auf Ihrer Homepage gelesen?“ „ Ja, dass ist richtig, ... aber wir können gerade keinen Flug für Sie organisieren ... da ist jemand von der Fluggesellschaft, mit der wir zusammenarbeiten, krank.“ „Aha, ok, dann schauen wir mal.“ ... „ Ja, wir haben jemanden gefunden, der uns morgen bringen würde. Wir wären dann am Montag bei Ihrer Schiffstour dabei“ „Das macht dann ... $.“ „Hä, wie jetzt, wieso denn auf einmal 30$ mehr pro Person?“ „Tja, weil Sie den Flug nicht über uns gebucht haben.“ ... Und das nur ein Ausschnitt von noch vielen mehr. Das wir überhaupt vom „Flughafen“  zum Campingplatz kamen ist reiner Zufall gewesen, obwohl wir den Shuttle gebucht hatten.

Auf jeden Fall hiess es den restlichen Tag rum kriegen. Das war aber bei dem schönen Wetter nicht schwer. Ausserdem waren wir pünktlich zur alljährlichen Southeast Alaska State Fair: Jahrmarkt, Ausstellung und Musik, angereist. Leider haben wir keine Fotos gemacht. Aber es war wirklich so wie auf den Jahrmärkten in den alten Westernfilmen aus unserer Kindheit. Einfach herrlich so etwas einmal zu sehen, wenn auch die Musik am Abend nicht unser Geschmack war.

Am folgenden Tag gings dann mit dem „Privatjet“ nach Gustavus. Leider war der Himmel verhangen, und es war Rauch zu erkennen. Tja, am Abend vorher war  im Yukon mal wieder durch einen Blitzschlag ein Waldbrand ausgebrochen, und da der Wind ausgesprochen „günstig“ stand, wurde der Rauch genau zu uns gepustet.

Wir nahmen es locker und schlugen mitten im Regenwald unser Zelt auf. Der Platz war der absolute Oberhammer. Der Boden grün, die Baumstämme grün, alles grün. Mit nichts in der Welt hätten wir gegen ein Zimmer in irgendeinem Hotel getauscht. Vorschriftsgemäss, denn auch hier wimmelts von Bären, bereiteten wir unser Abendessen einige Yards weiter am Ufer zu. In der Ferne konnten wir Walflossen ausfindig machen. Das versprach ein toller Ausflug zu werden.

Unsere Stimmung wurde aber am nächsten Morgen leicht getrübt, der Rauch hing nun auch hier über dem Meer und Berge waren nicht mehr auszumachen. Nur nicht den Kopf hängen lassen. Leider wurde es unterwegs jedoch nicht viel besser. Wir bekamen zwar die berühmten Gletscher zu sehen, die teilweise noch kalben, aber von der angeblich grandiosen Bergkulisse im Hintergrund war nichts zu erkennen. Ausserdem schienen jegliche Wale und Grizzlys vor dem Rauchgeruch reiss aus genommen zu haben. Nicht eine Schwanzflosse war sichtbar. Aber es war trotzdem ein sehr schöner Tag. Gleich am selben Abend nahmen wir noch die Fähre nach Skagway. Allerdings nicht bevor wir dem Grizzly, der sein Revier etwas weiter ausserhalb am Fluss hat, einen Besuch abgestattet hatten.

Trotz Stadt hatten wir wieder Glück mit einem Platz ausserhalb der Campingplätze, dank Tipp von Paul, den wir vor unserer Fährenabfahrt in Haines beim Filmen des Grizzlys getroffen hatten. In der Geisterstadt Dyea einige Meilen von Skagway entfernt fast direkt am Meer neben einem Fluss platzierten wir unseren Nisto. Auf seinem fast schon üblichen kurzen Rundgang in der näheren Umgebung rief Markus Sonja zu sich. In dem Fluss tummelten sich reihenweise Lachse. Ui, mögliches Abendbrot? Da wir aber keine Ahnung hatten, wie wir einen Fisch filetieren sollten, blieb es für Sonja bei dem Gedanken. Keine 5 Minuten später bekamen wir Besuch von zwei Grizzlys, die die Jagt nach ihrem Abendessen im Fluss starteten. Natürlich liessen wir alles stehen und liegen, und widmeten uns, in sicherem Abstand, ganz diesem Geschehen, denn wann bekommt man schon mal so ein persönliches Schauspiel geboten. Nachdem die beiden sich den Bauch voll geschlagen hatten, verliessen sie uns wieder, und wir starteten unsere Essenszubereitung auf unserem frisch erworbenen Kerosinkocher für die möglichen mehrtägigen Wanderungen oder Kayaktouren. Er klappte perfekt. Während die Nudeln so vor sich hin blubberten, versuchte Markus sein Glück im Fluss: Lachs fangen mit den Händen. Und tatsächlich hielt er ein paar Minuten später einen hoch, liess ihn aber zu Sonjas Freude wieder frei. Dies wiederholte sich noch zweimal. Allerdings wanderte der letzte direkt vor Sonjas Augen neben den Kochtopf. Und nu? Der weibliche Reisepart verschwand erstmal im Nisto.

Nähere Einzelheiten ersparen wir unseren Lesern jetzt mal. Auf jeden Fall lief Markus noch einige Male hin und her, bis der Fisch bereit für die „Endarbeiten“  war. Über dem Abendbrot zerbrachen wir uns dann den Kopf darüber, während der Lachs draussen in einiger Entfernung lag. Allerdings kam uns keine blendende Idee. Tja, man sollte halt erst googeln und dann Fisch fangen. Ausserdem machte Sonja plötzlich in der Dunkelheit am Ufer des Flusses einen weiteren Grizzly ausfindig. Der Fisch muss weg. Während Markus an dem Lachs hantierte, hielt Sonja den Vierbeiner im Auge, der aber anscheinend überhaupt kein Interesse an uns hatte. Einige Zeit später verschwand er um die Flussbiegung. Und jetzt kam tatsächlich der Moment, wo auch wir singend durch die Gegend liefen. Wir mussten die Reste loswerden, und so machten wir uns lauthals trällernd gemeinsam, in guten wie in schlechten Zeiten halt, auf zum Ufer. Kaum hatten wir uns der überflüssigen Teile entledigt. Kam der Grizzly zurück. Das nennt man timing. Jetzt nur noch die guten Stücke im Kühlschrank verstauen und ab ins Bett.

Am nächsten Morgen wurden wir dann wieder von einem Grizzly geweckt, der wie ein Irrer auf der Jagt nach Fischen durch den Fluss wetzte. Und als Dessert zum Frühstück gabs für 1 Stunde die zwei Grizzlys vom Vorabend. Was will man mehr. Nach diesem Kino verliessen wir Skagway  und fuhren über den wunderschönen White Pass, den wir leider nur wolkenverhangen geniessen konnten, mal wieder über die Grenze nach Kanada. Was uns hier erwartet hat, dann wieder im nächsten Bericht.

Bis bald.

Markus und Sonja

 

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