Zurück auf die Schulbank

Buenos Aires: 17. – 31.01.2010

Da standen wir also, im Zentrum von Buenos Aires. Gespannt auf das, was uns diese pulsierende Stadt, die Hauptstadt von Argentinien mit etwa 13 Millionen Einwohnern, zu bieten hatte.

Nachdem wir uns in unserem fensterlosen Zimmer im Hostel, lediglich eine grosse Tür ging in den Flur, der durch eine grosse Fensterfront beleuchtet wurde, eingerichtet hatten, wagten wir uns auf die Strasse. Viel hatten wir über die „schlimmen“ Autofahrer gehört. Wir fanden sie eher harmlos. Dagegen mussten wir uns erst an die Zweibeiner gewöhnen. Ok, vielleicht hatten wir uns für den Anfang nicht den besten Ort zum „Lernen“ ausgesucht, aber wer kann das ahnen. Wir steuerten also direkt auf die Av. Florida, eine Fussgängerzone, und liessen uns von den Tausenden, die es immer viel eiliger hatten als der andere neben ihnen, überrennen. Aber nachdem wir die Strasse einmal rauf und runter gelaufen waren, wussten wir, wie es funktioniert. Nur keine Angst zeigen und auf „keinen Fall“ seinen Platz frei geben. Nachdem wir diese Lektion gelernt hatten, ging es daran die Strasse zu überqueren. Fussgänger in Buenos Aires kennen kein Rot oder Grün, lediglich fahrende oder stehende Autos. Bei letzterer Spezies ist es einfach, da wird gelaufen. Bei Ersterer kommt es drauf an, wie schnell der Wagen unterwegs ist.  Bei einer gemütlichen Geschwindigkeit hat er verloren, dann wird die Strasse trotz roter Ampel überquert und der Fahrer muss zusehen, wie er sein „Grün“ wieder bekommt. Was nicht so einfach ist bei den Fussgängermassen. Teilweise stehen die Passanten schon mitten auf der Strasse, um jede Chance der Lücke zu nutzen diese zu überqueren. Die Autos müssen sich dann förmlich durch einen schmalen Streifen quetschen, dass es da nicht zu Zusammenstössen kommt, ist ein Wunder.

Drei Wochen wollten wir hier bleiben, solange würde es noch dauern, bis wir endlich unseren treuen Vierrädler wieder in Empfang nehmen dürfen. Die ersten zwei Wochen nutzten wir zur Verbesserung unserer Spanischkenntnisse. Und so kam der Tag, an dem auch das restliche N-Team auseinander gerissen wurde, da man uns in unterschiedliche Stufen einordnete. So kämpften wir vormittags täglich 4 Stunden ganz alleine. Am Nachmittag und den Wochenenden nachdem die Hausaufgaben fertig waren, sah man uns die Strassen erkundschaften.

Wir statteten der Plaza de Mayo an der sich der Präsidentenpalast, die Casa Rosada, befindet, das Herz der argentinischen Hauptstadt, einen Besuch ab. Dieser Ort ist das ehemalige Gründungsgebiet der Stadt. Der Platz ist nach dem Befreiungsmonat Mai benannt. Weiter stellt sie bis heute einen wichtigen Schauplatz politischer Kundgebungen oder Demonstrationen dar. Auf dem Boden um die Pyramide de Mayo wurden im Kreis weisse Kopftücher gemalt. Sie stehen für die Mütter, Madres de la Plaza de Mayo, die erstmals am 30. April 1977 für eine halbe Stunde stumm den Platz umrundeten, weil Proteste im Stehen seinerzeit verboten waren. Sie demonstrierten gegen das Unrecht des Verschwindens ihrer Söhne während der Militärdiktatur. Das aus Trauer und Protest getragene weiße Kopftuch wurde zum Symbol ihres Widerstandes und Kampfes für Gerechtigkeit. Das letzte Mal marschierten sie im Januar 2006 über den Platz, da nun kein „Feind“ mehr das Präsidentenamt besetzt. Doch auch heute wird wöchentlich jeden Donnerstagnachmittag den Verschwundenen bedacht.  

Auch mussten wir bei unseren Stadttouren einige Male die weiteste Strasse der Welt mit insgesamt 16 Spuren überqueren. Umringt von diesen auf der Plaza de Republica befindet sich der 67 m hohe Obelisco, der in 1936 innerhalb eines Monats erbaut wurde. Hier versammeln sich die Argentinier, wenn sie einen grossen Gewinn zu feiern haben. Dies war jedoch während unseres Besuches nicht der Fall.

Sogar dem Friedhof in Recoleta statteten wir einen Besuch ab. Dort sind die reichen und berühmten begraben, die sich imposante, teure Statuen und Sarkophage leisten können. Gepflegt werden diese von den Angehörigen. Da nicht immer der Reichtum anhält, verkommen hier und da Gräber, so dass sogar einige Särge drohen von ihren Regalen zu fallen. Auch dem einen oder anderen Markt statteten wir einen Besuch ab.

Abends genossen wir bei einer Flasche Wein eine super feine Pizza, einen Teller voller Pasta oder ein super feines argentinisches Stück Fleisch. Zu letzterem gabs meistens nichts dazu. Auch Sonjas Suche nach Gemüse unter dem 400g schweren, zwei Daumen dicken Fleischstücken blieben erfolglos. Allerdings brauchte es auch nicht mehr, denn das als Medium ausgeschriebene „halbe“ Rind war absolut ausreichend und mega fein. Kein Wunder, dass in Argentinien pro Kopf und Jahr durchschnittlich 70 kg Fleisch verzerrt werden. Wir genossen es sehr nach einer nahezu vegetarischen Zeit in Zentralamerika.

Natürlich wollten wir uns auch noch eines der hochangepriesenen argentinischen Fussballspiele anschauen. Und wir hatten Glück, die Saison begann genau zu unserer Besuchszeit. Viel hatten wir von Erlebnissen beim Ticketkauf gehört und gelesen. Da wir keine Lust hatten uns am jeweiligen Spieltag vor das Stadium zu stellen und uns irgendwie eine Karte zu erkämpfen die möglicherweise dann auch noch gefälscht war, geschweige denn unverrichteter Dinge wieder abdackeln zu müssen, schlossen wir uns einer Agentur an, die solche Ausflüge organisiert. Grundsätzlich nicht so nach unserem Geschmack, aber was tut man nicht alles für so ein Grossereignis. Für uns liefen River Plate (Neben Boca, eine der besten Mannschaften) und Banfield (Der Champion aus dem  Vorjahr) aufs Spielfeld. Leider war die Partie äusserst langweilig. Lediglich ein Tor fiel kurz vor Ende des Spieles, was die Spannung jedoch wieder angeheizt hat. Allerdings waren die Fans mit ihren Schlachtrufen und teilweise zeremonieartigen Riten diesen Ausflug auf jeden Fall wert.

So gingen die ersten zwei Wochen in Buenos Aires zu Ende. Die dritte und letzte sollte den Vorarbeiten der Auslösung von Nisto und weiteren Ausflügen ins Grün von Buenos Aires dienen. Aber sowohl das Wetter als auch die Reederei machten uns einen Strich durch die Planung.

Hierzu aber erst im nächsten Bericht mehr. Nur so viel: Wir sind immer noch in Buenos Aires ohne Nisto.

Liebi Grüessli von den Wartenden

Markus und Sonja

 

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