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Ecuador: 02. – 15.11.2010

Ecuador, der mit 270.790 qkm kleinste Andenstaat, hat alles zu bieten, was das Herz begehrt: Endlose Sandstrände, riesige Lava spuckende Vulkane und den Dschungel mit seinen vielen Tieren. Wie hatten wir uns auf dieses Fleckchen Erde gefreut. Es sollte ein schöner Abschluss unserer Reise durch Südamerika werden. Aber wir wurden vom Pech und vom Regen verfolgt.

Dabei sah es zu Anfang gar nicht so trostlos aus. Zwar blieben die gross angekündigten Asphaltstrassen zunächst ausser Sichtweite aber die wunderschöne Landschaft des südlichen Hochlandes entschädigte uns völlig. Natürlich machten auch wir einen Stopp in Vilcabamba. Warum? Wissenschaftler haben in einer Studie festgestellt, dass hier die Leute sehr alt werden. Mehr als 3 % der Bevölkerung ist über 100 Jahre (Weltdurchschnitt: einer von 1.745.000 erreicht dieses stolze Alter). Ob es an dem lokalen Heilwasser Vilcagua liegt, wir werden sehen. Denn selbstverständlich füllten wir unseren Tank bis zur Oberkante mit diesem Wässerchen.

Weiter gings nach Quenca, wo wir masslos enttäuscht und übers Ohr gehauen wurden. Seit einiger Zeit schwächelten unsere Federblätter, so dass schon dreimal geschweisst werden musste. Dem Besitzer Humberto der Cabanas Yanuncay, auf dessen Grundstück wir campierten, berichteten wir von unserem Problem, und er bot sofort seine Hilfe an. Schliesslich werden die Federblätter hier in Cuenca hergestellt, erzählte er und eine passende Werkstatt gibt es auch gleich um die Ecke. Wir waren sehr dankbar, denn bisher hatten wir nur gute Erfahrungen mit den hilfsbereiten Menschen in Südamerika gemacht. Damit verschwand Markus mit ihm sowie Nisto und tauchte erst am Abend ohne unser „Zu-Hause“ wieder auf. Natürlich waren keine passenden Federblätter vorrätig, so dass Markus mit dem Taxi kreuz und quer durch Cuenca fahren musste, nur um festzustellen, dass nirgendwo Originale zu kriegen waren. Unsere Alten wollte er allerdings auch nicht wieder drunter machen, da ein Hauptfederblatt bereits einen Längsriss hatte. Schliesslich kaufte er etwas längere, die einfach hätten gekürzt werden müssen. Da es aber schon spät war, musste dies auf den nächsten Tag verschoben werden. Wir zogen für die Nacht in eine der Cabanas.

Am nächsten Morgen war Humberto mit unseren ganzen Paketen und den neuen Federblättern verschwunden. Via Handy war er natürlich nicht zu erreichen. Kurz vor Mittag erschien er mit einem schmierigen Grinsen auf dem Gesicht. Im Schlepptau unsere Pakete und ein geschweisstes Federblatt. Auf unsere Frage, was er mit den anderen gemacht hätte, meinte er nur, dass er bei allen Spezialisten war und kürzen sei nicht möglich gewesen und so hätte er diese beiden, gegen das mitgebracht eingetauscht. Da wir in der Zwischenzeit die Preise kannten, wurde uns schnell klar, dass er uns so richtig an der Nase herum führte. Uns blieb die Spucke weg, von so viel Dreistig- und Unehrlichkeit. Vor uns stand Dagobert Duck mit riesigen Dollarzeichen in den Augen. Während Sonja mit ihren Blicken kleine Giftpfeilchen auf Humberto abfeuerte, versuchte Markus ihn freundlich zur Rede zu stellen. Aber auch er resignierte nach einiger Zeit, und so zogen wir enttäuscht und frustriert davon. Hinzu kam Regen und Nebel, der unseren Weg zur Küste durch die Area Nacional de Recreacion Cajas, begleitete. Später erfuhren wir, dass wir nicht die ersten Reisenden waren, die Humberto nach Strich und Faden betrogen hatte. Unsere Stimmung war alles andere als himmelhochjauchzend. Wir waren frustriert und hätten Nisto am liebsten gleich auf den Weg nach Australien geschickt. Aber so wollten wir Ecuador natürlich nicht in Erinnerung behalten.

Nachdem wir in Guayaquil diverse Reedereien und Broker abgeklappert, ein Hotel gefunden hatten, wo wir nicht nur uns sondern auch Nisto, während der Organisation der Papiere für die Verschiffung Anfang Dezember, sicher unterbringen konnten, setzten wir unsere Entdeckungstour durch Ecuador fort. Während wir den Chimborazo, den höchsten Vulkan Ecuadors, welcher den Mount Everest im Himalaya übertrifft,  wenn man die Erhebungen vom Erdmittelpunkt aus betrachtet, noch im Sonnenschein bestaunen durften, hingen jedoch am nächsten Tag erneut dicke Regenwolken über uns. Auf die Lagune Quilotoa konnten wir nur einen kurzen Blick werfen, bevor sie wieder im Nebel verschwand und auch der Vulkan Cotopaxi versteckte sich die meiste Zeit hinter den Wolken. Damit viel auch die geplante Besteigung der Mutter der Vulkane ins Wasser. Denn die Wettervorhersage sah für die nächsten Tage nicht besser aus.

Aber noch gaben wir die Hoffnung nicht auf und steuerten Richtung Quito. Allerdings herrschte auch hier trübe Stimmung. Wir versuchten zwar, uns nicht unter kriegen zu lassen, streunerten durch die Stadt und erklommen die Basilika. Wenn die Feuchtigkeit aber langsam durchs Dachzelt in den Wagen kriecht, hilft alles nichts. Hinzukam, dass die versprochenen Quotes für die Verschiffung nur schleppend eintrudelten. Ausserdem wurde uns mitgeteilt, dass wir einen Costums Broker haben müssten, der sich um Nistos Abmeldung aus Ecuador kümmert. Einen ganzen Tag verbrachte Markus damit Mails zu schreiben und die in Frage kommenden Personen anzurufen. Aber entweder legten sie mitten im Gespräch auf, antworteten nicht wie versprochen oder schnallten einfach partout nicht, was wir von ihnen wollten. Es half alles nichts, wir mussten wieder zurück nach Guayaquil um den Leuten vor Ort auf die Füsse zu treten.

Wie wir es schlussendlich geschafft haben, Nisto in den Container aufs Schiff zu bekommen, und ob der Wettergott ein Einsehen mit uns hatte, dann im nächsten Bericht.

Liebe Grüsse von den zwei Putzteufelchen

Markus und Sonja

 

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