Da ist der Wurm drin

Ecuador: 16.11. – 07.12.2010

Bevor wir jedoch unseren Weg wieder gen Süden antraten, statteten wir der Mitte der Welt einen Besuch ab. So sprangen wir im Museo de Sitio Inti Ñan mal auf die Nord- und dann wieder auf die Südhalbkugel. Obwohl das Museum neben dem „offiziellen“ Äquatordenkmal liegt, befindet es sich auf dem echten Äquator. Das Denkmal wurde vor der Erfindung des GPS errichtet. Erst später wurde festgestellt, dass man sich um 200 m vermessen hatte.

Neben Exponaten indianischer Kulturen, wie Schrumpfköpfe, und traditionellen Lebensweisen kann man in dem Solarmuseum einige interessante Experimente durchführen. Auf Grund der auf dem Äquator nicht vorhandenen Corioliskraft lässt sich zum Beispiel ein Ei viel leichter auf dem Kopf eines Nagels balancieren. Auch läuft Wasser ohne die Bildung eines Strudels durch den Abfluss.

Nach einer lehrreichen Stunde machten wir uns auf den Weg und erreichten bereits am folgenden Tag Guayaquil. Die nächsten 24 Stunden verbrachten wir in einer Fressmaile einer riesigen Shoppingmall mit E-Mails schreiben und telefonieren. Die Nerven lagen blank, würden wir heute niemanden für unser Vorhaben finden, wäre es zu spät für die Verschiffung am 02.12. Aber wir wären nicht das N-Team, wenn wir nicht auch dieses Problem gelöst hätten. So stand einem entspannten Wochenende an der Küste nichts mehr im Wege.

Am Freitagabend erreichten wir Puerto Lopez. Für die nächsten Tage richteten wir uns auf dem Parkplatz einer wunderschönen Cabana-Anlage direkt am Strand zwischen tropischen Blumen ein.  Leider zeigte sich die Ruta del Sol genauso wie der Rest des Landes eher von ihrer trüben Seite. Immer wieder nieselte es und die Sonne liess sich partout nicht blicken. Unsere Stimmung liessen wir uns davon jedoch nicht vermiesen. Denn vor uns lag eine Woche intensives Putzen. Um Nisto nach Australien einzuführen muss er nämlich aussehen wie Neu. Also legten wir bis Montagmorgen die Füsse hoch und tankten Kraft für die nächsten Tage.

Zurück in Guayaquil erreichte uns die erste Horrornachricht von unserem Broker. Die Chassisnummer auf den Aduanapapieren stimmte nicht mit der im Fahrzeugschein überein. Ja Godfriedstutz, dreimal hatte Markus dem Typen an der Grenze auf die Finger gehauen, weil er die Formulare nicht richtig ausgefüllt hatte. Aber alles schimpfen half nichts, davon würden sich die Nummern auch nicht mehr in die richtige Reihenfolge bringen lassen. Unser Broker versprach uns eine Lösung im Laufe des nächsten Vormittags. Natürlich hörten wir erst am übernächsten Nachmittag von ihm und die Nachricht war alles andere als erfreulich: 300 $ wollten sie für die Änderung der Papiere. Nicht mit uns, denn selbstverständlich hatten auch wir schon längst eine andere Möglichkeit in petto. So machte sich Markus mit allen Papieren auf zur drei Stunden entfernten Grenze, um diese dort ändern zu lassen. Notfalls würde er einfach für eine Nacht zurück nach Peru gehen. Aber das war zum Glück nicht nötig. Um 2 Uhr morgens kehrte er mit den kostenlos geänderten Papieren zurück und die Aktion „Aus Alt mach Neu“ konnte weiter gehen.

Bis zum Sonnenuntergang am Samstag gingen wir dem Dreck hier und da auch mit der Zahnbürste an den Kragen. Die Hälfte von Nistos Innenleben bekam eine Dusche verpasst und den Unterboden bzw. die Radkästen sprühten wir nachdem kiloweise getrocknete Erde entfernt war mit schwarzer bzw. weisser Farbe ein. Den Sonntag mussten wir im Hotel verbringen, denn es herrschte auf Grund einer Volkszählung, an der selbst wir teilnehmen mussten, Ausgangssperre. Wir nutzten die Zeit um auch unsere Taucherausrüstung noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Pünktlich um 8 Uhr am Montagmorgen sollte es eigentlich auf den Weg zum Hafen gehen. Tja, eigentlich. Wir drei standen auch parat, aber unser Broker fehlte. Ein Anruf brachte die nächste Horrormeldung zu Tage: Wir können den Container doch nicht im Hafen beladen. Arg! Wir hatten es geahnt. Nun hiess es warten. Nervös liefen wir in unserem Zimmer auf und ab. Um 13 Uhr kam die erlösende Nachricht: LKW, Container und Leute zum Nisto einpacken standen an einer Lagerhalle bereit und um 21 Uhr befand er sich auf dem Hafengelände. Zwei Tage später mussten wir noch einmal antanzen, damit der Drogenhund seine Nase überall hineinstecken konnte, dann hiess es für Nisto ab auf den Frachter.

Nach 1 ½ Wochen Guayaquil und dem guten Gefühl Nisto befindet sich auf dem Schiff reisten wir mit dem Bus in das kleine Städtchen Baños. Hier, am Fusse des seit 1999 regelmässig ausbrechenden Vulkans Tungurahua, wollten wir unsere Reise durch Südamerika ausklingen lassen. Mal wieder empfing uns eine trübe Stimmung, dafür gab der Vulkan alles. Während wir zunächst noch dachten, der Wind zerrt an Türen und Fenstern unseres Hostelzimmers, wurden wir schnell eines Besseren belehrt. Der Tungurahua war zum zweiten Mal in diesem Jahr ausgebrochen und spie nun Asche sowie Lava 1,6 km gen Himmel. Die Erschütterungen gingen einem durch Mark und Bein. Während wir mit anderen Touristen auf dem Aussichtspunkt standen und uns den gewaltigen Ausbruch anschauten, wurde für die Umgebung die höchste Alarmstufe ausgelöst, kleinere Dörfer evakuiert und sogar für einige Zeit die Zufahrtsstrasse gesperrt. Letzteres sorgte bei uns noch einmal für Aufruhe, denn wie sollten wir am Montag nach Quito kommen. Zum Glück gingen die seismischen Aktivitäten am gleichen Tag deutlich zurück, so dass wir unseren Aufenthalt nicht früher als geplant abbrechen mussten.

Nach 640 Tagen Amerika sollte es nun endlich auf unserer Reise einen grossen Schritt weiter gehen. Wir freuten uns schon sehr, aber es kam alles anders. Mit allen anderen Passagieren sassen wir um Mitternacht am Gate fürs Boarding parat, als uns die Nachricht ereilte, der Flug wurde annulliert. Der Pilot war beim Anflug auf Quito durch die Aschewolke des Vulkan Tungurahua geflogen und nun waren die Motoren verdreckt. Die nächsten vier Stunden verbrachten wir am Flughafen, denn für jeden Passagier musste nun eine Lösung gefunden werden, und wir hatten es natürlich nicht in die erste Reihe geschafft. Schnell war klar, unsere Anschlussflüge würden wir nicht mehr kriegen, denn auch der einzige noch in Frage kommende Flug nach Atlanta mit American Airlines am nächsten Morgen war schnell aufgefüllt. Bei unseren Australischen Freunden schlugen wir Alarm, denn für unseren grossen Sprung nach Down Under hatten wir Staff Travel mit V-Australia „gebucht“ und standen auf der Warteliste. Wir hatten keine Ahnung wie das nun ablaufen würde. Aber um fünf Uhr morgens sassen wir bei einer Lasagne und Bier in unserer Junior Suite im Sheraton, in der Hand das gleiche Ticket wie bisher, nur einen Tag später und diesmal in der Businessclass von Delta.

Ob wir am nächsten Tag endlich unseren Flug über den grossen Teich antreten durften und in welcher Klasse, dann im nächsten Bericht.

Bis bald.

Markus und Sonja

 

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