Immer wieder Federblatt

Ica, Huancayo, Ancash: 08. – 26.10.2010

Die Südamerikaner müssen die Ruhe und die Gemütlichkeit schon in die Wiege gelegt bekommen haben. Ein Schwätzchen hier, ein Pläuschchen da, nur so kann der Tag zu einem Erfolgreichen werden. Da sollten wir uns Europäer mal eine Scheibe von abschneiden. Aber setzt man die Peruaner hinters Lenkrad, ist es ratsam schleunigst die sichere Weite zu suchen. Es wird gedrängelt, an den unübersichtlichsten Stellen überholt und jede Kurve geschnitten. Das Ganze in Begleitung eines Dauerhupens. Warum die Hupe nicht in der Landesfahne abgebildet ist, bleibt uns ein Rätsel.

Während wir in den Bergen im Süden Perus von diesen Sitten noch weitgehend verschont blieben, bekamen wir sie auf der Strecke zur Küste sehr deutlich zu spüren. Riesige Doppelstöckige-Touristenreisebusse rasten in einem affenzahn die Serpentinen hinunter und wären uns am liebsten hinten in den Nisto gestiegen. Bei einem Überholmanöver vergass einer sein Hinterteil und hätte uns fast mit diesem den Abhang hinunter gedrängt. Selbst auf gerader Strecke benutzten sie unsere Spur. Sahen sie uns endlich kommen, wurden wir nur angehupt. Hier wird halt nach dem Prinzip gefahren: Was Dein ist, ist auch mein.

Nach dieser ersten Lektion „Auto fahren auf Peruanisch“ und 656 km erreichten wir Nasca und flüchteten hinter die sicheren Gitter eines Campings. Aber natürlich waren wir nicht hierhergekommen um uns zu verstecken. Wir wollten das ungeklärte Rätsel von Nasca unter die Lupe nehmen. Dafür mussten wir in die Luft, denn nur aus der Höhe sind die Geoglyphen in Form von Linien, Flächen und Tierdarstellungen, am besten zu sehen. So stiegen wir am nächsten Tag in eine kleine Cessna und staunten nicht schlecht über den immer noch guten Zustand der über 500 Jahre alten Bodenzeichnungen. Aber auch der Flugstil des Piloten, schliesslich muss auch wirklich jeder Passagier die Möglichkeit bekommen, das Wunder zu sehen, war nicht von schlechten Eltern. Nach einigen gewöhnungsbedürftigen „Spitzkehren“ nach links und rechts sowie diversen kleineren und grösseren Luftlöchern, liess sich Sonja das Ganze noch einmal gründlichst durch den Kopf gehen und war froh nach 35 Minuten wieder festen Boden unter den Füssen zu haben.

Jetzt sollte die Küste aber nicht länger auf uns warten müssen. Wir fanden zwar nicht die auf der Karte eingezeichnete Strasse, aber wozu haben wir einen Geländewagen. Also fuhren wir kreuz und quer durch die Wüste, die die gesamte Küste Perus säumt bis wir endlich auf den Klippen standen und die Meeresluft einatmen konnten. Wie zwei kleine Kinder freuten wir uns über diesen Anblick. Viel zu lang lag unser letzter Küstenbesuch zurück. Eigentlich wollten wir hier auch mal wieder unsere Tauchbasis auspacken. Leider machte uns der Wind und die starke Brandung an den Tauchplätzchen jedoch einen Strich durch die Rechnung. Drei Tage warteten wir und spazierten am Strand entlang oder erklommen die Klippen. Aber keine Besserung. So wagten wir lediglich einen Strandtauchgang, der jedoch von schlechter Sicht geprägt war.

Weiter gings über die Halbinsel Paracas auf der Panamericana gen Norden. Wie war das doch gleich: Panamericana = Traumstrecke. Das einzige was wir sahen, waren armselige Häuser eingebettet in eine trostlose graue Landschaft und Menschen, die in Müllbergen herumwühlten. Daher stachen wir bereits in Pisco wieder in die Berge und befanden uns schon am Abend auf rd. 3.000 m.ü.M. an einem wunderschönen ruhigen See. In der Nacht wurden wir jedoch von lauten Männerstimmen mitten aus dem Schlaf gerissen. Man hatte uns also entdeckt. Wir nahmen uns vor am nächsten Morgen früh aufzubrechen. Aber dazu liess man uns gar keine Möglichkeit, denn noch vor Sonnenaufgang, hatten sich die Männer wieder um uns versammelt. Diesmal schienen sie nicht wieder gehen zu wollen. Also hiess es um 5.30 Uhr raus aus den Federn. Im Endeffekt luden sie uns zum Frühstück ein. Vorher bekamen wir sogar noch eine Privatführung durch die Forellenfarm, die sie als Familienbetrieb unterhielten. Wir müssen nicht extra schreiben, was es zum Frühstück gab. Genau, Forelle mit Mais. Sehr lecker aber gewöhnungsbedürftig um 8 Uhr morgens.

Unser nächstes Ziel war die 200 km lange Cordillera Blanca, die zweitgrösste Gebirgskette der Welt, hinter dem Himalaya. Bevor wir jedoch dort ankamen, schwächelte das N-Team gewaltig. Erst zeigte Nisto uns mal wieder, dass er genug von den Hoppelstrassen hatte und ein zweites Federblatt brach. Am Abend, nur mit Mühe und Not fanden wir neben der Strasse ein Schlafplätzchen, pumpte dann Markus seinen Magen über zwei Stunden in alle Himmelsrichtungen leer. Dem noch nicht genug, hatte die patroulierende Polizei etwas gegen unsere Schlafplatzwahl. „Viel zu gefährlich, hier werdet ihr ausgeraubt!“ Also fuhr Sonja den Polizisten auf der einspurigen seitlich bis 100 m abfallenden Strasse in der Finsternis in ein kleines Dorf hinterher. Mitten zwischen den Häusern wiesen sie uns ein Plätzchen zu. Alles kein Problem wäre Sonja am frühen Morgen nicht ähnliches wie Markus wiederfahren.  Wir fühlten uns schlapp, elend und wollten nur noch in die Zivilisation.

Am Nachmittag erreichten wir bei Dauerregen, was uns aber gerade völlig egal war, Huaraz, wo wir uns für ein Hostelzimmer zum Auskurieren entschieden. Zwei Tage später konnten wir dann aber wieder Bäume ausreissen und auch die Regenwolken hatten sich verzogen. Jetzt stand der Erkundung der riesigen Berge mit ihren wunderschönen Seen nichts mehr im Wege. Die Wanderschuhe geschnürt und los gings. Vorbei an atemberaubenden Bergkulissen teilweise mit Gipfeln über 6.000 m zu wunderschönen glasklaren oder türkisfarbenen Seen. Einzig und allein Nisto schien mit dem ganzen nicht zufrieden, denn ein zweites Mal brach das Hauptfederblatt.

Nachdem auch dieses wieder geschweisst war, verbrachten wir noch einen wunderschönen Tag in der Cordillera Negra bevor sich erneut die Wolken zuzogen, und wir unseren Weg durch den engen Canon de Patio, in dem nur noch der Rio Santa die beiden Kordillerenzüge voneinander trennt, zur Küste fortsetzten.

Was uns da leckeres erwartete, dann im letzten Peru-Bericht.

Liebe Grüsse

Markus und Sonja

 

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