Auf den Spuren der Inkas

Cusco: 26.09. – 07.10.2010

Wir hatten die Peruaner als offenes, neugieriges, hilfsbereites und liebes Volk kennengelernt und ins Herz geschlossen. Bis dahin war uns aber auch noch kein „Laufmeter“ vor den Nisto „gerannt“. In Zentralamerika waren wir es „gewohnt“, dass Kinder am Strassenrand standen und die Hände zum Betteln hoben. Aber hier in Südamerika waren wir doch sehr erstaunt, als wir in etliche kugelrunde Kinderaugen schauten, die am Strassenrand standen. Noch mehr überraschten uns jedoch zwei Steine, die Nistos Fenster an der Rückseite nur knapp verfehlten.

… „Bürschchen komm doch mal her!“ … Natürlich kam er nicht, ob es daran lag, dass er Markus nicht verstand oder merkte, dass es geschickter wäre sich zu verziehen. Aber man sieht sich schliesslich immer zweimal im Leben. Denn die Durchfahrtstrasse des kleinen Dörfchens war auf Grund einer Gemeindeversammlung mitten auf der Plaza de Armas mit Menschen vollgestopft. So mussten wir den gleichen Weg wieder zurück, den wir gekommen waren, was nicht nur uns nicht behagte. Die Kinderaugen wurden grösser, sie selbst immer kleiner, als sie uns wiedererkannten. Noch einmal hob Markus drohend den Finger. Aber sie schienen verstanden zu haben, und da wir ja eigentlich nicht so sind, bekamen sie von uns die Parteifane, die uns in dem Dörfchen am Nisto befestigt wurde. Mit glänzenden Augen und einem „Muchas Garcías, Senior!“ nahmen sie sie strahlend entgegen.

Als wir kurz vor dem Eindunkeln nach einigen Umwegen dann doch noch an unserem Ziel, eine der letzten Inkahängebrücken, ankamen, hatten wir Glück und trafen dort sogar Justo, einen der 1.000 Konstrukteure, die jedes Jahr im Juni innerhalb von vier Tagen eine Neue bauen. Wir bekamen eine persönliche Führung und löcherten ihn mit Fragen. Die Brücke besteht nur aus natürlichen Materialien. Sechs, aus 80 Fasern Andengras gedrehte Seile werden über die Schlucht gespannt, welche mit steinernen Brückenköpfen im Boden verankert  sind. Auf die vier unteren Seile werden mit Pflanzenfaserschnüren zusammengebundene Äste gelegt und schon kann losmarschiert werden. Allerdings gab er auch zu verstehen, dass sie die Brücke lediglich nur noch für die Touristen aufrechterhalten, für sie hat sie keine Bedeutung mehr, schliesslich haben sie ja gleich nebenan eine Betonbrücke. An einem Ende der Brücke wird in der Zwischenzeit eine Hospedaje gebaut. Anscheinend erhofft man sich von den Touristen nur positives. Wie dies in einigen Jahren aussehen wird?

Justo lud uns ein, die Nacht auf seinem Hof zu verbringen, was wir dankend annahmen. So lernten wir gleich noch seine Familie kennen und konnten einen Blick hinter die Tür eines der vielen Lehmhäuser werfen, welche sehr spartanisch eingerichtet sind. Erst seit vier Jahren haben sie Strom. So etwas können wir uns gar nicht vorstellen. Selbst Nisto ist dagegen purer Luxus, wenn man mal von der Grösse absieht.

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einer Woche Natur pur und abseits aller Touristenwege wieder mal auf in die Zivilisation. Genauer gesagt ins ehemalig Herz des Inka-Imperiums: Cusco. Das GPS jagte uns kreuz und quer durch die wunderschöne Stadt. Nicht selten kam es vor, dass wir durch eine enge Gasse fuhren, die auf einmal in einer Treppe endete. Dann hiess es wenden in tausend Zügen. Und wenn wir uns gerade zurücklehnen wollten, da wir uns in Sicherheit wiegten auf dem richtigen Weg zu sein, kamen uns plötzlich zig Taxis entgegen. Grund: Die Strasse war ohne jegliches Hinweisschild, geschweige denn ersichtlichen Grund zu einer Einbahnstrasse geworden. Ja Godfriedstutz, wer denkt sich denn bitte so etwa aus?!

Aber irgendwann erreichten auch wir unser zu Hause für die nächsten Tage, die wir mit relaxen und faulenzen, durch die Strassen Cuscos bummeln,  Museums- sowie Incaruinenbesuchen in der näheren Umgebung verbrachten. Bis es dann hiess: Machu Picchu, eine der verlorenen Inkastädte, ruft. Auch wir gehörten zu einigen der vielen, die sich in der Zwischenzeit überlegen, gehen wir wirklich hin oder lassen wirs. Denn die Preise sind ins unermessliche gestiegen. Dabei geht es nicht allein um den Eintrittspreis. Aber das kleine Dorf, Aguas Caliente, welches Ausgangspunkt für die Ruinen ist, kann nur per Zug oder zu Fuss erreicht werden. Peru Rail kennt in der Zwischenzeit die Anziehungskraft und schraubt natürlich kräftig an den Fahrkosten für die Touristen. Aber unsere Neugier war viel zu gross, und wir hatten einen günstigeren Weg zu den Ruinen gefunden: Einfach von der anderen Seite anfahren. Da es eine kleine eintägige Himmelfahrt ist, wählen nur sehr wenige Touristen diese Route. Daher hält sich die Ausbeute auf dieser Strecke wahrscheinlich noch in Grenzen. So tuckerten wir innerhalb eines Tages auf einer landschaftlich schönen Strecke über 4.000 m.ü.M. hinein in den Dschungel. In Santa Teresa liessen wir unseren Nisto bei einer Familie stehen, die auch auf die Fahrzeuge der Hydroelectrica aufpassten, und liefen die letzten 12 km nach Aguas Caliente an den Schienen entlang.

Am nächsten Tag stürmten wir mit 1.330 weiteren Touristen (Wir haben extra noch gefragt, wie viele es an diesem Tag waren.) die Ruinen. Natürlich gehörten wir zu den ersten, denn am frühen Morgen, wenn noch die Nebelschwaden über der Stadt hängen, soll der Anblick am stimmungsvollsten sein. Und so war es auch. Überwältigt von dem Blick auf die beeindruckende Festung verharrten wir zwei Stunden am Aussichtpunkt. Auf einer der vielen Terrassen liessen wir uns nieder und die Ruinenstadt auf uns wirken. Man weiss nur sehr wenig über diesen mystischen Ort. Die spanischen Eroberer haben sie nie gefunden und daher geriet er in Vergessenheit. Aber nicht bei der indigenen Bevölkerung, welche ihn sogar noch bis ins 17. Jahrhundert bewohnten.

Durch den Nebel und die Sonne, die sich langsam ihren Weg durch die Wolkendecke bahnte, veränderte sich die Stimmung im Minutentakt. Allerdings stürmten nun auch die Touristen hinein. So machten wir unsere Runden durch die Ruinen und staunten immer wieder über die Baukunst der Inka. Riesige Felsblöcke wurden fugenlos zusammengefügt. Durch den fast einwandfreien Zustand kann man sich gut vorstellen, wie das Leben hier damals ausgesehen haben muss. Nach neun Stunden in der Ruinenstadt machten wir uns noch am gleichen Tag auf den Rückweg zu unserem Nisto, wo wir erschlagen, aber voller bleibender Eindrücke ins Bett sanken. Eine Frage bleibt uns jedoch bis heute in den Köpfen: Welcher Peruaner bzw. Inka-Nachfahre kann sich einen Besuch dieses heiligen Ortes seiner Vorfahren eigentlich leisten? Ein peruanischer Handwerker müsste einen ganzen Monatslohn hinblättern! Denn Rabatt ist auch für Einheimische Mangelware.

Nach diesem atemberaubenden Ausflug statteten wir noch dem ehemaligen Landwirtschaftszentrum der Inkas oder auch Stätte für religiöse Zeremonien, bei diesen Ruinen ist man sich, wie bei vielen anderen, nicht so sicher, um was es sich wirklich gehandelt hat, sowie den Salzterrassen von Pichingoto einen Besuch ab, bevor es über die Stadt Chinchero, mit ihrer wunderschönen Lehmkirche, endlich mal wieder ins Tiefland Richtung Küste ging.

Wie wir es geschafft haben, diese Strecke zwischen den ganzen lebensmüden Reisebuss-Fahrern unbeschwert überstanden zu haben, dann im nächsten Bericht.

Bis bald, hebet’s guet.

Markus und Sonja

 

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