Multikulti

La Libertad, Cajamarca, Amazonas: 27.10. – 02.11.2010

Mit Vollgas gings an der Küste entlang nach Huanchaco. Was uns zur Eile trieb, waren nicht die für den Ort bekannten Caballitos der Totora, Schilfrohrpferdchen, sondern ein Schweinebraten.

Bereits in Nordamerika hatten wir den legendären Braten von Ruth und Walter geniessen dürfen. Nun, nach über einem Jahr und tausenden von Kilometern, sollte es zu einem Wiedersehen kommen. Die Freude war gross und die Nächte lang und feucht.

Neben dem Austauschen von Reisegeschichten, besichtigten wir gemeinsam mit den beiden die in der Umgebung liegenden Ruinen der Chimu und Moche. Chan Chan (Sonne, Sonne) war einst die mit 20 qkm grösste Lehmziegelstadt der Welt. Sie wurde zwischen 1200 und 1400 n. Chr. errichtet und beherbergte rd. 50.000 bis 80.000 Einwohner. Heute ähnelt sie eher einem grossen geschmolzenen Wachshaufen. Meistens sind nur noch die Grundriss der Stadt vorhanden. Heftige Regenfälle in den letzten Jahrzehnten, die für diese Gegend sehr unüblich sind, haben teilweise zum Auflösen der Adobestadt geführt. Jetzt werden die Reliefs in mühseliger Arbeit rekonstruiert.

Ganz im Gegensatz hierzu sind die verschiedenfarbigen Wandmalereien der Huaca de la Luna (Mondpyramide), welche neben der Huaca del Sol (Sonnenpyramide, in unmittelbarer Nähe zur Mondpyramide, jedoch noch im erodierten Zustand da finanzielle Mittel fehlen) eine der grössten präkolumbischen Heiligtümer Südamerikas ist, in einem bemerkenswert guten Zustand. Dank sei den Moche, die bei den Erweiterungen der Pyramide die Räume lediglich mit Lehmsteinen füllten um darauf neue Konstruktionen zu errichten. So müssen die Archäologen heute „lediglich“ das seinerzeitige Füllmaterial entfernen und zu Tage kommen atemberaubende farbige Reliefs in teilweise hervorragendem Zustand.

Nach drei lustigen und interessanten Tagen mit Ruth und Walter trennten sich unsere Wege wieder, die beiden sind nun auf dem Weg Richtung Süden, während vor unserer Tür Ecuador wartete. Aber vorher hiess es noch einmal auf in die peruanischen Berge, denn die Küste lockte uns ausgesprochen wenig. Ausserdem wäre dieser Weg asphaltiert gewesen, bah, pfui, wer will denn sowas. Also hoppelten wir vorbei an unzähligen Reisfeldern und durch einen wunderschönen Canyon bis wir nach vielen Serpentinen und wunderschönen Aussichten Kuelap, unser letztes Ziel in Peru, erreichten.

Die Chachapoyas hatten diese Festungsanlage im 12. Jahrhundert n. Chr. auf rd. 3.000 m.ü.M. errichtet. Sie boten den härtesten bis 1470 n. Chr. erfolgreichen Widerstand gegen die Inka. Mit Blick auf die 20 m hohe Festungsmauer mit insgesamt drei Eingängen, die sich zum Ende hin soweit verjüngten, dass nur noch eine Person durch passte, nicht verwunderlich.

Nach knapp zwei Monaten drehten wir Peru den Rücken. Wir blicken zurück auf eine abenteuerliche Zeit und wunderschönen Begegnungen. Aber nicht nur das wird uns in Erinnerung bleiben. Ein ganz bestimmtes Geräusch hat sich in unser Gehör eingeschlichen, welches sich so schnell nicht wieder verbannen lässt: Die Autohupe. In bisher keinem anderen Land kam unsere eigene so oft zu Gebrauch. Aber wir mussten feststellen, dass sie das einzige Mittel zu sein schien, den Verkehr auch von unserer Existenz auf der Strasse zu überzeugen. Hier nur zwei kurze Anekdoten: Wir fuhren durch einen engen Tunnel (maximal ein Auto), von dessen „Ausfahrt“ wir lediglich noch eine Autolänge entfernt waren. Als plötzlich ein Auto vor uns auftauchte, welches natürlich eine Vollbremsung hinlegen musste. Anstelle den Rückzug anzutreten, schaltet er das Licht aus, dass er überhaupt welches an hatte, glich einem Wunder, und blieb an Ort und Stelle. Ob wir noch heute dort versauern würden, hätten wir nicht nach einer gefühlten Ewigkeit die Hupe betätigt? Wir werden es nicht erfahren. Ein anderes Mal beobachteten wir ein unmögliches Überholmanöver. Anstelle sich irgendwann zurückzuziehen, versuchte der PKW bis zur letzten Sekunde den LKW zu überholen. Es gibt ja schliesslich noch einen Seitenstreifen auf der Gegenfahrspur, auf die dieser im letzten Moment auswich. Dem noch nicht genug. Natürlich wollte er wieder auf die „richtige“ Spur. Allerdings schien er total vergessen zu haben, dass auf dieser, seine zu überholenden Autos fuhren. In letzter Sekunde verhinderte Nistos Hupe einen Zusammenstoss.

Wie es uns auf den Ecuadorianischen Strassen ergeht, dann im nächsten Bericht.

Bis bald.

Markus und Sonja

 

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