Ecuador - Kinder, Kinder - 17.06. - 2.07.2019

Distanz gefahren: 1450km
Übernachtungen im Nisto: 15 (9 Organisiert, 6 Frei)
Maximale Höhe: 4031müM bei S0 19.943 W78 12.130
Minimale Höhe: 0müM
Maximale Geschwindigkeit: 90km/h

Kinder, Kinder

Kaum hatten wir uns entschieden, weiter gen Norden zu fahren, schon begann das Grübeln: Welche Route nehmen wir durch Ecuador? An oberster Stelle stand natürlich die Küste, da wir diese vor 9 Jahren nicht wirklich gesehen hatten. Ausserdem sehnten wir uns nach Meer, Strand und Tropennächte. Allerdings lockte natürlich auch der höchste Berg der Welt der Chimborazo (vom Ermittelpunkt aus gesehen ist dieser Vulkan der äusserste Punkt des Erdmantels), auch wenn wir diesen bereits auf unserer ersten Reise besucht hatten. Keine einfach Entscheidung. Aber mit freundlicher Unterstützung der ecuadorianischen Grenzbeamten in den Bergen, welche uns die Einreise verweigert hatten, brauchten wir nicht mehr überlegen: Ziehe direkt an die Küste, atme nicht noch einmal dünne kalte Luft ein.

Nach dem Grenzübergang steuerten wir also die Hafenstadt Guayaquil bzw. einen 24 Std. Parkplatz für Busse an. Dieser befand sich ganz in der Nähe der Mall del Sol, in der wir vor gut 9 Jahren so einige Stunden verbrachten um die Nisto-Verschiffung nach Australien zu organisierten. Natürlich schlenderten wir noch am gleichen Abend durch dieses Einkaufszentrum. Allerdings erkannten wir es nur noch von aussen wieder. Im Inneren hatte sich einiges verändert, alles renoviert und hochmodern.

Auf der Suche nach dem perfekten Spot rollten wir am nächsten Tag in Richtung Küste. Allerdings mussten wir feststellen, dass das gar nicht so einfach ist. Mal war der offizielle Campingplatz  geschlossen, dann wieder fühlten wir uns viel zu sehr auf dem Präsentierteller, ausserdem wollte die graue Wolkendecke partout nicht aufreissen. Erst am späten Nachmittag fanden wir ein freies Plätzchen direkt am Meer, was uns einigermassen zusagte. Die nächsten Tage verbrachten wir mit Beine hochlegen, Muscheln sammeln, Krabbenwettrennen etc. Auch hatten wir Glück und die Sonne kam für einen halben Tag heraus, so dass zumindest die Kinder, in den durch die Ebbe hervortretenden Wasserbecken, ein Bisschen planschen konnten. Als jedoch am dritten Tag Nieselregen einsetzte, packten wir unsere sieben Sachen und zogen weiter Richtung Norden mit einem kleinen Abstecher nach Montecristi, wo der schönste Strohhut der Welt heute noch per Hand hergestellt wird, der Panama-Hut. Wenn aber der Hut doch in Ecuador geflochten wird, wie kommt er dann zu diesem Namen? Mit Zunahme der Popularität des Strohhutes, wurden diese über den Panamakanal in die westliche Welt verschifft. Dort mussten sie durch den Zoll, und es wurde ein Stempel für das Land angebracht. Nach erreichen des Zielhafens wurden die Hüte einfach nach der Aufschrift des Landes also Panama benannt. Natürlich wanderten für unsere beiden Männer je einer in den Nisto.

Kurz nach der kleinen Stadt Don Juan fanden wir für die nächste Nacht auf einem Camping, welcher uns nicht wirklich vom Hocker haute, eine Bleibe. Dafür sorgte die Besitzerin der Pizzaria nebenan bei unseren Kindern für einen wunderbaren Abschluss dieses weiteren Reisetages. Gemeinsam mit ihr durften die beiden ihre eigene kleine Pizza backen. Mit vollem Einsatz wurde das Nudelholz geschwungen und der Teig grosszügig belegt. Als das fertige Exemplar dann aus dem Ofen auf dem Teller landete, glänzten ihre Augen, wie vier Christbaumkugeln im Kerzenlicht.

Mit Blick auf das Wetter kehrten wir früher als geplant der Küste den Rücken und steuerten die im Nebelwald befindliche Stadt Mindo an. Sonja hatte ein kleines Plätzchen mit Pool gefunden, worin die Kinder sicher einen riesigen Spass gehabt hätten, hätte sich die Sonne auch hier mal von ihrer konstanteren Seite gezeigt. Irgendwie fühlten wir uns 9 Jahre zurückversetzt. Auch damals wollte das Wetter partout nicht so wie wir gerne gehabt hätten. Trotzdem liessen wir uns die Laune nicht verderben und machten einen Spaziergang durch einen Teil des Nebelwaldes auf der Suche nach Papageien und Schmetterlingen. Letzteres bekamen wir reichlich vor die Linse. Mit Erstgenanntem taten wir uns ein wenig schwer. Aber wir hatten Glück, wenn es jedoch auch nur für ein zwei Beweisfotos reichte.

Zurück auf dem Camping hatten sich in der Zwischenzeit weitere Reisende niedergelassen. Zu unserer Freude war auch eine britische Familie mit zwei Kindern dabei. Die Kinder brauchten keine Minute und schon spielten sie wie die besten Freunde miteinander. Am nächsten Nachmittag machten wir gemeinsam eine Schokoladentour, in der auf interaktive Weise gezeigt wird, wie die Kakaobohne zur Schokoladentafel wird. Den Abend liessen wir bei ein zwei Flaschen Rotwein ausklingen. Die Nacht war für Sonja jedoch alles andere als erholsam. Übelkeit und Erbrechen hielt sie wach. Wir vermuteten, dass sie etwas falsches gegessen hatte und hofften, dass es schnell vorbei ginge. So setzten wir die geplante Fahrt nach Quito in die Tat um. Gemeinsam mit der britischen Familie schlugen wir unsere Zelte auf dem 24-Std. Parkplatz beim Park Carolina auf. Während Sonja im Wagen zurück blieb, um sich zu erholen, erkundeten die anderen den Park. Am nächsten Tag sah die Welt schon wieder besser aus und so konnte die Erkundungstour durch Quito zu unserer Freude bei Sonnenschein beginnen. Nach diesem Kulturprogramm, waren die Kinder mal wieder an der Reihe. Zu acht stürmten wir ein im Süden der Stadt liegendes Kindermuseum, bevor es am nächsten Tag zu einem letzten gemeinsamen Ausflug in die rd. 70 km östlich von Quito gelegenen wahnsinnig schönen Termas de Papallacta ging. Leider bekamen wir von der angeblich so herrlichen Bergkulisse auf Grund der Wolken und des Regens nichts mit. Trotzdem war es ein gelungener Ausflug. Leider trennten sich unsere Wege hier nun unweigerlich. Wir wollten nach Norden, die britische Familie nach Süden. Man sah den Kindern an, dass es ihnen nicht einfach viel. Aber wer weiss, man trifft sich bekanntlich immer zweimal im Leben.

Unser Weg führte uns auf einer Piste durch den Reserva Ecologica Cayamba-Coca. Der Cayamba ist ein weiterer schneebedeckter Vulkan Ecuadors. Zumindest sagt man das, wir können dies so nicht bestätigen, da wir ihn leider gar nicht zu Gesicht bekamen. Ausserdem konnten wir nur erahnen, welch wunderschöne Landschaft uns auf dieser Strecke begleitet. Nebel, Wolken und Regen behielten auch hier die Oberhand. Allerdings schlug das Wetter, kaum hatten wir das Reserva verlassen wieder um und die Sonne begleitete uns zum Äquator. Bereits in den vergangenen Tagen waren wir immer wieder hin und her gesprungen, mal auf die Nordhalbkugel, dann wieder auf die Südhalbkugel und wieder zurück. Diesmal sollte es aber das letzte Mal auf dieser Reise sein. Natürlich machten auch wir einige Erinnerungsfotos.

Unser letztes Ziel in Ecuador war die Stadt Ibarra bzw. die Finca Sommerwind an der Laguna de Yahuarcocha. Zu unserer Freude trafen wir auch hier wieder eine Familie mit gleichaltrigen Kindern, diesmal aus der Schweiz. Während die Kinder ausgiebig miteinander spielten, organisierten die Eltern. Andrea und Dominik hatten ihr Reisefahrzeug verkauft und wollten nun mit dem Flugzeug weiter Richtung Nordamerika, und wir wollten die Verschiffung endlich in feste Tücher bringen. Allerdings mussten wir auch feststellen, dass Sonja seinerzeit wohl doch nichts falsches gegessen hatte, denn bereits in der ersten Nacht auf dem Camping, wurden die Spucktüten von den Kinder gefüllt. Zum Glück ging das ganze so schnell, wie es gekommen war. Allerdings gönnten wir uns noch einen weiteren Tag zur Erholung, bis es dann hiess auf ins Neuland.

Hasta luego

Markus und Sonja mit Leandro und Milena

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